Die Anzeichen verdichten sich, dass die Tage des Bargeldes gezählt sind. Jetzt ist der Chefökonom einer amerikanischen Großbank mit der Idee eines Bargeldverbotes in der EU vorgeprescht. Sein Argument: Die Banken hätten kaum eine Möglichkeit, Negativzinsen zu verhängen, da die Anleger in Bargeld ausweichen würden. Mit Bargeld in der Tasche (oder sonst wo) können Negativzinsen umgangen werden. Das könnte man jedoch mit einem Verbot verhindern. Ein Harvard- Ökonom kam vorige Woche mit genau dem gleichen Vorschlag daher und auch der Chef- Analyst einer deutschen Bank (nicht der Deutschen Bank!) schlug in die gleiche Kerbe. In Österreich gibt es sogar schon eine Studie von der Wirtschaftsuni Wien zur Kostenersparnis bei Karten- statt Bargeldzahlungen. Auftraggeber ist ein Bankomatkarten- Betreiber. Die jährlichen Einsparungen würden angeblich zwischen 150 und 300 Millionen liegen. Über die Erhöhung des Gewinnes beim Kartenbetreiber wurde nichts erwähnt. Auch nicht darüber, dass bei einem Bargeldverbot sämtliche Kartenbetreiber dann freie Hand hätten bei der Gestaltung der Kosten und Gebühren zu Lasten der Kartenbenutzer.
Die Bargeldzahlungen wurden ja in der EU in einigen Ländern schon stark eingeschränkt; mit den gewohnten Hinweisen auf Geldwäsche und Terrorfinanzierung. In Schweden z. B. sind sie regional gar nicht mehr möglich. Angeblich ist Bargeld zwar das einzige legale Zahlungsmittel, aber selbst wenn das stimmt, interessiert es die Regierungen nicht. Wie allgemein bekannt sein sollte, beträgt die Menge des gesamten Bargeldes (Banknoten und Münzen) in der gesamten Eurozone etwa 900- 1000 Milliarden, das sind aber nicht einmal 10 Prozent der gesamten Geldmenge; der Rest ist “Buchgeld”.Würden also alle Leute ihre Konten räumen wollen, wäre das nicht möglich. Zuwenig Bargeld! Und genau das fürchten die Mächtigen von Tag zu Tag mehr. Die Forderung der Banken nach Abschaffung des Bargeldes kommt den Regierungen gerade recht; vielleicht stammt die Idee sogar von den Regierungen. Es gäbe dann keinen Bank- Run mehr zu befürchten, die Banken hätten freie Hand beim Umgang mit Geld, die Regierungen hätten mit einem Schlag den schon lange gewünschten “gläsernen Menschen”, alle Guthaben und Vermögenswerte wären einsehbar, Besteuerung und Konfiszierung nach Lust und Laune möglich.
Von Cyberkriminalität im Finanzbereich spricht man natürlich nicht, obwohl diese Sparte extremes Wachstum verzeichnet und mit dem Diebstahl einer Bankomat- oder Kreditkarte kann mehr Geld erbeutet werden als in einer gestohlenen Geldtasche Platz hat. Man spricht auch nicht von technischen Pannen, welche auch in der EU, auch in Österreich, teils tagelang einen elektronischen Zugriff auf das Geld unmöglich machten. Nichts ging mehr. Ein großer Stromausfall, wie vor ein paar Wochen in Holland, in Italien und in den USA bewirkt das Gleiche: Kein Zugriff auf elektronisches Geld.
Vielleicht wird es Zeit, darüber nachzudenken, in welchen Währungen man sich Bargeld zulegen soll.

Banker und Politiker unterhalten sich über die Menschen. Der Banker zum Politiker:

„Halt du sie dumm; ich mach sie arm“.