Der deutsche Geheimdienst- Skandal zieht immer weitere Kreise. Es wurde ja bekannt, dass der deutsche Bundesnachrichtendienst BND nicht nur den amerikanischen Spionagedienst NSA in Deutschland nach Belieben schalten und walten ließ, sondern dass der BND angeblich mit Wissen und Billigung der Kanzlerin Merkel auch die NSA dabei unterstützte, Frankreich und die EU- Zentrale auszuspähen und abzuhorchen. Aber nicht nur das; es wurde auch Wirtschaftsspionage betrieben und Airbus, ein direkter Konkurrent des US- Flugzeugbauers Boeing, hat deswegen schon Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Mittlerweile gilt es als sicher, dass auch österreichische Regierungsstellen und Behörden ausspioniert wurden und werden. Aber das ist ja nicht so ganz neu, da unsere Dienste angeblich auch ein sehr enges Verhältnis zu den amerikanischen “Schlapphüten” haben.
Kanzlerin Merkel kommt jedenfalls immer mehr in Erklärungs- Notstand. Genau diese Kanzlerin Angela Merkel, deren empörter Sager “Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht” aus 2013 noch vielen im Ohr liegt. Damals ließ sie ja den Spionage- Skandal sanft entschlafen. Ist sie jetzt “die Mutti”, wie sie oft genannt wird oder doch eher “IM (inoffizieller Mitarbeiter) Erika” aus DDR- und Stasi- Zeiten, wie des Öfteren behauptet wurde? Frau Merkel ist jetzt wegen der Affäre zwar wieder ein wenig abgetaucht, aber sie wird diesen Skandal kaum unbeschadet überstehen. Es ist ja auch ein charakterlicher Makel, befreundete Staaten ausspionieren zu helfen. Redet sie sich auf Nicht- Wissen aus, ist es peinlich für sie als Chefin. Gibt sie zu, informiert gewesen zu sein, ist es aber wesentlich mehr als peinlich.
Die Sache wird mit “Aussitzen” für Frau Merkel nicht zu erledigen sein. Wie sich das Problem auf die Beziehung zwischen Österreich und Deutschland auswirkt, muss sich erst zeigen.