Vorab: Zum Sieg des ESC habe ich mich getäuscht; niemand aus Osteuropa. Dass Österreich punktelos heimgeht, war aber auch nicht zu erwarten. Und dass die Moderatorinnen kein deutsches Wort gesprochen haben, wie ich mir sagen ließ, ist doch ein wenig befremdlich. Jetzt aber zum Thema:

EU- Kommissionspräsident Juncker hat einen sonderbaren Sinn für Humor. Beim EU- Gipfel in Riga flüsterte er, als der ungarische Regierungschef Orban kam, “der Diktator kommt”, begrüßte ihn dann aber, sichtlich bestens gelaunt, persönlich und laut und deutlich mit: “Hallo, Diktator”.
Mag sein, dass sich die beiden Politiker eigentlich ganz gut verstehen, gehören sie doch beide der EVP an. Orban eckt trotzdem immer wieder mit der EU an und somit auch mit Juncker. Einmal wird ihm sein angeblich autoritärer Regierungsstil vorgeworfen, ein anderes Mal, dass er die Pressefreiheit einschränke. Dann, weil er die geplante Quotenregelung für Flüchtlinge als “Wahnsinn” bezeichnet. Seine Diskussion über die Todesstrafe wurde auch nicht gerne gehört, genau so wenig wie sein Gedankenspiel über die Verstaatlichung der Notenbank. Orban eckt also an, aber er hat im Land mit seiner Partei die Mehrheit, er hat die Bevölkerungsmehrheit hinter sich und nicht gegen sich. Das ist doch was. Er ist frei und demokratisch gewählt; vom Volk. Das kann der werte Kommissionspräsident Juncker ja nicht von sich behaupten. Da würde ihm auch das Lügen nicht helfen. Er wurde in einem politischen Kuhhandel vom Europäischen Rat, d. h. von den Staats- und Regierungschefs der EU- Länder, vorgeschlagen und vom Europäischen Parlament gewählt. Nicht von der Bevölkerung der EU- Staaten.
Orban zieht es auch vor, offen die Wahrheit zu sagen; im Gegensatz zu Juncker. Der sagt ja: “Wenn es ernst wird, muss man lügen”. Wenn man die Vorgangsweise und Strategie der EU betrachtet, dann scheint eher Juncker der wirkliche Diktator zu sein und nicht Orban. Auch nicht scherzhaft.