Kanzler Faymann möchte jetzt wohl den Propheten spielen, wenn er wegen der Flüchtlingsmassen vor den Gefahren für Europa warnt und meint: “Jetzt geht es um ein gemeinsames Europa oder um den leisen Zerfall der EU”. Er betont, dass die Sicherung der EU- Außengrenzen wichtig sei, ist aber dagegen, dass jedes Land eine Mauer errichtet.
Ist ja schon viel wert, wenn er die Wichtigkeit von gesicherten EU- Außengrenzen einsieht, aber auch die nationale Grenze hätte gesichert werden müssen. Drauf hat der Kanzler großzügig verzichtet und ordnete die “Politik des Durchwinkens” an. Die wird allerdings von EU- Kommissionspräsident Juncker jetzt für beendet erklärt. Das heißt mit anderen Worten, Österreich müsste jetzt (endlich) alle einreisenden Asylwerber registrieren und “gnädiger weise” einen Teil oder vielleicht sogar den Großteil der täglich bis zu 8000 Ankommenden weiterhin nach Deutschland durchwinken dürfen. Es werden also in nächster Zeit sehr viele im längst vollen Boot Österreich bleiben.
Vielleicht beginnt Herrn Faymann langsam zu dämmern, dass seine humanitäre Großzügigkeit nicht gerade das Gelbe vom Ei war, zumal der steirische Landeshauptmann die Lage noch schlimmer einschätzt und das auch deutlich ausspricht, wenn er sagt: “Wenn Europa nicht sofort erkennt, wie dramatisch die Lage ist und sich alle Mitgliedstaaten aus der Verantwortung ziehen, wird das Friedensprojekt Europa scheitern”. Das mit dem Friedensprojekt ist zwar nicht ganz klar, aber mit dem möglichen Scheitern mag er recht haben.
Einige Versager in Brüssel und in EU- Mitgliedsländern haben schon lange begehrlich nach “gut ausgebildeten” Zuwanderern verlangt. Jetzt wissen sie sich vor den vielen, die dem Ruf gefolgt sind, nicht mehr zu retten. Jetzt läuft es wie bei Goethe´s “Zauberlehrling”: “Die Geister, die ich rief, die werd´ ich nicht mehr los”. Das Schlimme ist, dass die verantwortlichen politischen Nichtsnutze und Versager genau genommen für den von ihnen angerichteten Schaden nicht zur Verantwortung gezogen werden können. Sie können ungestraft weitermachen, aber die Bevölkerung muss für deren Versagen büßen.