Der US- Präsident Obama möchte vor Ablauf seiner achtjährigen Amtszeit wenigstens eines seiner bei Amtsantritt abgegebenen Versprechen einlösen, nämlich eine Verschärfung der Waffengesetze durchzusetzen. Alle anderen Versprechen, wie z. B. die Schließung des Gefangenenlagers Guantanamo auf Kuba, haben sich längst in Luft aufgelöst.
Im Zuge seines Kampfes gegen die Waffenlobby stand jetzt Obama im Kreis von Angehörigen erschossener Kinder vor der Kamera und weinte im Gedenken an die Kinder. Sie fielen einem Massaker eines vermutlich irren Amokschützen zum Opfer. Eines Massakers, wie es sie in den USA, häufiger als sonst wo, immer wieder gibt. Waffen kann man ja kaufen wie anderswo ein Stück Brot. Der Auftritt Obamas sollte um Unterstützung für strengere Waffengesetze werben, die auf jeden Fall überfällig sind.
Ob diese Tränen echt waren, darf aber wohl angezweifelt werden. Sie sind vielleicht der Kategorie “Filmstudio- Tränen a la Hollywood” zuzuordnen. Ein Mann, der Woche für Woche bestimmt, wer per US- amerikanischer Kampfdrohnen in die Luft gesprengt wird und dabei billigend in Kauf nimmt, dass etwa 90 Prozent der Todesopfer unschuldige Zivilisten, also “Kollateralschäden”, sind, vergießt Tränen? Ein Mann, der beim “Krieg gegen den Terror” tausende oder zehntausende Tote akzeptiert, soll vor der Kamera weinen?
Vielleicht waren die Tränen echt; es ist aber schwer zu glauben.