Jetzt war es wieder so weit; nach langer Zeit (etwa vier Jahre!) gab es in Libyen wieder offizielle Bombenangriffe. Bei einem US- Luftangriff wurde ein Camp des IS getroffen; es sollen dabei auch zwei serbische Entführungsopfer getötet worden sein.
2011 wurde ja Libyens Langzeitherrscher Gaddafi ganz plötzlich und für viele überraschend zum Tyrannen, zum bösen Diktator und zum Despot erklärt, Libyens Militär und Infrastruktur durch westliche Bombenangriffe zerstört und Gaddafi selbst letztendlich getötet. Für viele kam diese Entwicklung deshalb überraschend, weil Gaddafi kurz vorher noch der Liebling westlicher Regierungen war und viele andere, ähnlich geprägte Staatschefs in der arabischen und afrikanischen Umgebung damals wie heute die Sympathien des Westens besitzen. Dass mit der Tötung Gaddafis und Zerstörung Libyens der Garant für Stabilität in der Region verloren ging, hätte den kriegsgeilen Politikern eigentlich klar sein müssen. Gaddafi war es jedenfalls klar; er warnte vor seinem Tod vor einer Massenmigration von Nordafrikanern nach Europa.
Jetzt geht der Krieg also wieder los, weil sich der IS in Libyen breit macht. Jener IS, der in Syrien vom Westen als willkommene Hilfe im Kampf gegen Präsident Assad weiterhin unterstützt wird und andererseits angeblich vernichtet werden soll. Libyen hat jetzt angeblich hunderttausende afrikanische Asylwerber im Land, die sich auf den Weg nach Europa machen wollen, zwei machtlose Regierungen, verschiedene Terrorgruppen, rivalisierende Stämme und keine Zukunftshoffnung. Der Westen hat mit der Zerstörung Libyens keine Probleme gelöst, sondern neue Probleme geschaffen. Auch für Europa. Ob bewusst oder aus Dummheit.

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