Libyen rückt wieder verstärkt ins Medieninteresse. Durch die Flüchtlingsströme. Bis zu 800.000 Menschen sollen es angeblich sein, die auf die Möglichkeit warten, nach Europa zu kommen. Der Großteil sind Afrikaner, aber zunehmend sind wegen des EU- Türkei- Deals und der geschlossenen Balkan- Route auch viele Flüchtlinge dabei, die eben nicht mehr über Griechenland nach Mitteleuropa wollen, sondern über Libyen.Vereinzelt werden Schlepperboote von der libyschen Küstenwache aufgebracht und nach Libyen zurückgebracht, die meisten Bootsflüchtlinge werden aber von den Schiffen der EU- Seestreitkräfte “gerettet” und nach Italien gebracht. Also dorthin, wo sie sowieso hinwollten. Was mit den Schleppern und Booten passiert, ist nicht bekannt.
  Libyen kommt aber auch zunehmend wegen des IS ins Gespräch. Durch das Machtvakuum und fehlende Staatsstrukturen, bedingt durch den NATO- Krieg, der die Zerstörung des Landes  und die Tötung Gaddafis zum Ziel hatte,  hat sich der IS im Land festgesetzt und will nicht nur seinen Einflussbereich ausdehnen, sondern auch groß im Schleppergeschäft mitmischen. Jetzt soll also der “Krieg gegen den Terror”in Libyen fortgesetzt werden. Man hat also zuerst ein Problem geschaffen, welches man jetzt beseitigen will. Britische, französische, italienische und US- amerikanische Sondereinheiten sind schon längere Zeit in Libyen und sollen mit Regierungstruppen eine mögliche Ausbreitung des IS bekämpfen. Es ist allerdings nicht so ganz klar, welche “Regierungstruppen” da gemeint sind. Es gibt zumindest zwei “Regierungen” in Libyen, eine in Tripolis und eine in Tobruk. Eine soll einen Teil der Bevölkerung repräsentieren und die andere soll den Willen der Westmächte repräsentieren; von denen ist sie auch anerkannt. Beiden gemeinsam ist, dass sie relativ machtlos sind.
  Libyen wird noch auf lange Zeit ein “failed state” bleiben, aber mit dem Kampf gegen den IS wird es erst noch schlimmer werden. Mit Wehmut werden die Libyer an die Zeiten unter Oberst Gaddafi zurückdenken.