Dass die selbsternannten lupenreinen Demokratie- Verteidiger in der EU absolut nichts von Volksabstimmungen halten, ist ja schon länger bekannt. Als die Niederlande beispielsweise vor ein paar Monaten als letzter EU- Staat eine Volksabstimmung über das EU- Assoziierungsabkommen mit der Ukraine abhielten und mehrheitlich für „Nein“ stimmten, ließen einige EU- Apparatschiks die Maske fallen. Referenden sind was Schlechtes; sie gehören verboten und abgeschafft. So und ähnlich ließen die Volksvertreter wissen. Von Auswirkungen des niederländischen Referendums ist übrigens bis heute nichts zu hören.

Bei der britischen Volksabstimmung über einen EU- Austritt oder Verbleib in der EU war es jetzt ähnlich. Es wurde gegen das Referendum als Solches gewettert, aber mit einem Pro- EU- Ergebnis gerechnet. Dann kam die Ernüchterung: Die Mehrheit stimmte für einen Austritt und plötzlich spielen alle verrückt. Die britischen Austrittsbefürworter werden in den kontinentaleuropäischen Medien als Lügner, als Betrüger, als Scharlatane geschimpft. Einige „Volldemokraten“ in der EU fordern eine zweite Volksabstimmung, „weil den Briten die Tragweite der Entscheidung nicht bewusst war“. Ja, sind die Briten etwa geistig behindert? Das sind eher diejenigen, welche das Abstimmungsergebnis nicht zur Kenntnis nehmen wollen so nach dem Motto: „Weil nicht sein kann, was nicht sein darf“. Das wäre ja eine Unverschämtheit, wenn die Briten so Mir nix- Dir nix aus dem selbsternannten Nobelclub austreten könnten. Wo käme man da hin; da könnte ja dann jeder daherkommen.

Viele hoffen jetzt, dass die Briten gar kein Austrittsgesuch abgeben. Andere meinen, das sollte man einfach ignorieren. Mit Massendemos in Großbritannien wird für einen Verbleib in der EU Stimmung gemacht. Mit einer zweifelhaften Online- Petition soll eine zweite Volksabstimmung erzwungen werden. Mit erfundenen Schauermärchen über die kommende und unvermeidbare wirtschaftliche Katastrophe wegen des EU- Austrittes will man einen „Domino- Effekt“ verhindern; andere EU- Staaten haben nämlich auch Lust auf eine Volksabstimmung bekommen.

Was soll das alles? Die Briten haben abgestimmt und das Ergebnis ist zu akzeptieren. Es haben mündige Bürger über eine entscheidende Frage abgestimmt; es ging nicht darum, bei einer niveaulosen TV- Klamauksendung für einen „Superstar“ zu „voten“. Das Abstimmungsergebnis jetzt annullieren zu wollen heißt nichts anderes als demokratische Regeln mit Füßen zu treten. Dass sie das schon lange machen, ist den selbstherrlichen Demokratie- Predigern in der EU nicht mehr bewusst.

Advertisements