Die geistige Schockstarre hat bei unseren deutschen Freunden nach der Landtagswahl in Mecklenburg- Vorpommern relativ lange angehalten. Nachdem zuerst – verständlicherweise – nur die AfD gejubelt hat, kam dann, schon mit massiver Verzögerung, von der Kanzlerin Merkel ein knappes Eingeständnis der Mitschuld am Wahldebakel wegen ihrer Asylpolitik mit dem trotzigen Nachsatz, dass ihre Entscheidungen richtig waren. Nach einer weiteren Nachdenkpause vermeldete die CSU- Spitze: „Die Lage für die Union ist höchst bedrohlich“ und ein verkannter Dramaturg warnte gar vor „Zuständen wie in Österreich“, sollten die deutschen Wähler zunehmend die rechtspopulistische AfD als „einzige Alternative“ sehen. Er meinte, den deutschen Regierungsparteien CDU und SPD drohe das gleiche Schicksal wie Rot und Schwarz in Österreich, wo es für eine große Koalition „gerade so“ gereicht habe und verwies darauf, dass in Österreich der Aufstieg der FPÖ „relativ klein und harmlos“ begonnen habe.

Der Mann namens Kreuzer sprach dann davon, dass Deutschland im laufenden Jahr mit 400.000 zusätzlichen Flüchtlingen und Migranten inklusive Familiennachzug rechnen müsse. Deswegen müsse Deutschland ein „deutliches Signal“ setzen und gegebenenfalls die Grenzen dicht machen und Flüchtlinge in sichere Drittstaaten zurückschicken. Nun, das machen die Bayern ja schon jetzt. Sie haben heuer schon Tausende nach Österreich zurückgewiesen. Auch was die Zahlen betrifft, ist Herr Kreuzer entweder nicht informiert oder er lügt wie gedruckt. Er spricht für 2016 von 400.000 inklusive Familiennachzug. Das deutsche Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sagt aber, dass heuer von Jänner bis Juli schon insgesamt 479.620 Asylanträge in Deutschland gestellt wurden; allein im Juli mehr als 74.000. Da kommt man gut und gerne auf 800.000 für das laufende Jahr, also doppelt so viele, wie Herr Kreuzer schätzt.

Die Situation in Deutschland ist tatsächlich vergleichbar mit der in Österreich. Auch bei uns wird mit den Zahlen getrickst; die Zahl für die Obergrenze von 37.500 wird plötzlich unter anderen Voraussetzungen ermittelt. Und die Regierung regiert am Volk vorbei und gegen das Volk und wundert sich über Wahlschlappen, fürchtet sich fast zu Tode vor einem Absturz in die Bedeutungslosigkeit und vor persönlichem Machtverlust. Die Politiker haben die Hosen gestrichen voll, aber sie ändern trotzdem ihre Politik zu wenig für eine Trendwende.

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