Die Diskussion über die Bezahlung von Asylwerbern in Österreich für gemeinnützige Arbeiten geht weiter und ist jetzt um einige interessante Facetten erweitert worden. Bis jetzt standen ja Gratisarbeit, 1 Euro, 5 Euro und dann 2,50 Euro pro Stunde zur Diskussion. Da gab es aber jetzt ein ausführliches Interview in der „Krone“ mit einem syrischen Flüchtling aus Aleppo, der auch zu Jobs und Bezahlung befragt wurde. Die Frage lautete: „Finden Sie fünf Euro die Stunde, oder auch die Hälfte, als Vergütung angemessen?“ Seine Antwort: „Wieso, wir bekommen doch ohnehin schon Taschengeld. Also kann man dafür doch ein, zwei Stunden pro Tag irgendwo aushelfen…“ Das ist das Eine. Dann gab es aber auch deutliches und berechtigtes Murren von freiwilligen Helfern von Caritas, Feuerwehr, Rotes Kreuz etc., welche ohne Entlohnung arbeiten. Gerade diese Freiwilligen sind seit mehr als einem Jahr für die Asylwerber da und tragen dazu bei, diesen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen und müssen sich zum „Dank“ eventuell noch beschimpfen lassen. Diesen freiwilligen Helfern fehlt zu Recht jedes Verständnis für eine Bezahlung der Asylwerber für gemeinnützige Arbeit.

Der Bundeskanzler will sich elegant aus der Affäre ziehen und meint, die Bürgermeister sollen in ihrer Gemeinde über die Bezahlung entscheiden. Unter „entscheidungsfreudig“ versteht man etwas anderes, Herr Kern. Bei der Mindestsicherung schreit man nach einheitlicher Regelung und hier soll jede Gemeinde entscheiden; das kann es nicht sein! Der Innenminister brachte als Vergleich auch die Zivildiener ins Spiel; die bekommen pro Stunde 1,61 Euro. Wie „obszön“ findet der honorige Kanzleramtsminister Drozda eigentlich diese 1,61 Euro der Zivildiener? Immerhin hätten bei 2,50 Euro die Asylwerber um etwa 55 Prozent mehr als die Zivildiener. Plus Kost und Quartier plus Taschengeld, wie der Flüchtling im Interview richtig sagte. Plus viele Vergünstigungen, von denen der Österreicher meist nur träumen kann. Sofern ihm überhaupt bekannt ist, dass es solche gibt. Eine „Möbelpauschale“ beispielsweise.

Warum sollen Österreicher, in dem Fall freiwillige Helfer, gegenüber Asylwerbern benachteiligt werden? Etwa deswegen, weil sie Österreicher sind? oder deswegen, weil sie es sich gefallen lassen? Auch bei den Streitereien um die Mindestsicherung muss man sagen: Wenn jemand wirklich glaubt, dass verschenktes Geld an die Migranten das BIP hebt und die Wirtschaft ankurbelt, dann schenkt doch das Geld den Beziehern der Mindestpension oder anderen Bedürftigen. Die haben dafür eingezahlt und Steuern bezahlt und würden auch gerne die Wirtschaft ankurbeln.

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