Na, jetzt haben wir also wieder einen Bundespräsidenten; lange hat es gedauert. Diese lange präsidentenlose Zeit hat aber auch gezeigt, dass trotzdem alles seinen gewohnten Gang weitergeht. Trotz der fast ganztägigen und ganz wichtigen Berichterstattung zur Angelobung des neuen Bundespräsidenten  Van der Bellen ist ganz amüsant zu lesen, dass seine Frau, mit der er ja sicher zum Opernball gehen wird, früher zu den Demonstranten, pardon, Demonstrantinnen,  gegen diesen Ball gehörte. Heuer wird sie hoffentlich nicht vor dem Eingang links abbiegen, sondern mit ihrem Gatten eintreten und als passionierte Tänzerin, wie zu lesen ist, den Ball genießen.

Irritierend zu lesen ist rund um die Meldungen und Berichte zur Angelobung allerdings Folgendes: „Unmittelbar nachdem er mit dem höchsten Orden der Republik ausgezeichnet wurde, zeigte sich Van der Bellen erstmals als Präsident…“ Gibt es den höchsten Orden der Republik schon auf Vorschuss; sind die dafür nötigen Verdienste erst nach der Verleihung zu erbringen? Fast hat man den Eindruck, als seien österreichische Orden nicht mehr als Schmuckstücke, die man sich eben so zulegt; die man sich unter Politikern gegenseitig umhängt oder ansteckt oder verleiht. Damit der Frack voll wird. Beispiele für diese Annahme gibt es viele. Erst kürzlich haben sich ein paar Landeshauptleute bei einem Kollegen den höchsten Landesorden „abgeholt“.

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