Vor 60 Jahren wurden in Rom, deshalb auch der Name, die „Römischen Verträge“ unterzeichnet; von Vertretern Deutschlands, Frankreichs, Italiens und der Benelux- Staaten. Das war die Geburtsstunde der EWG, der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, aus der sich mit weiteren Verträgen und mit Erweiterungen die heutige EU entwickelt hat. Standen am Beginn in erster Linie wirtschaftliche Interessen im Vordergrund, sind es heute zunehmend politische Angelegenheiten nach innen und und tiefgreifende wirtschaftliche Interessen nach außen. Das zeigt sich mit unverständlichen Erweiterungen, deren Folgen schon fast einen krankhaften Trieb zur Selbstzerstörung offenbaren und mit z. B. Handelsabkommen, die zu Recht mehr als nur umstritten sind. Die „Urversion“ der EU hat aber besser funktioniert als das heute aufgeblähte Bürokratie- und Bürokratenmonster.

EU- Kommissionspräsident Juncker, der sowieso gerne feiert, hat jedenfalls wieder einen Grund für eine Geburtstagsfeier – 60 Jahre EU. Vorher jedoch kritisiert er noch die nationalstaatlichen Tendenzen in dieser EU. „Mein Eindruck ist, dass es immer weniger Vollzeiteuropäer gibt und immer mehr Teilzeiteuropäer… Die Teilzeiteuropäer nehmen von Europa das, wovon sie denken, dass es ihnen zustünde…“ Aber trotzdem ist ihm nach feiern zumute und er wird auch keine Fehler bei sich und seinen Vasallen entdecken, die den jetzigen Zustand mitverursacht haben. Er spricht von der EU als Jahrtausendprojekt mit einer positiven Zukunft, welches nach den nächsten 60 Jahren „sicher mehr als 30 Mitglieder“ haben wird. Naja, mit tausendjährigen Vorhersagen und Einschätzungen sollte man sehr vorsichtig sein. Die Erweiterungsprognose kann man als gefährliche Drohung sehen. Immerhin soll ja der ganze Balkan in die „europäische Familie“ aufgenommen werden, ohne Rücksicht auf zu erwartende wirtschaftliche, politische oder sicherheitsrelevante Probleme. Auch die Türkei steht nach wie vor bei vielen verblendeten Eurokraten auf der Wunschliste für einen Beitritt und eventuell die Ukraine und Nordafrika oder der Kaukasus. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und die Wirtschaft muss angekurbelt werden und über Probleme spricht man nicht.

Man feiert vorerst und lässt sich feiern.

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