Viele gehen zur Wahl, über die schon so viel diskutiert, beleidigt, gehetzt und geworben wurde. Welche Wahl? Nun, eigentlich ist es keine Wahl, sondern eine Abstimmung über die Verfassungsreform in der Türkei. Bei einem „Ja“ lässt sich der jetzige Präsident Erdogan zum fast unumschränkten Herrscher krönen; er ist dann Präsident und Regierungschef in einer Person und mit allen möglichen und unmöglichen Rechten. Jetzt sind also in ganz Europa die Auslandstürken aufgefordert, zur Abstimmung zu gehen. In Österreich sind das etwa 100.000, in Europa ein paar Millionen.

Im Vorfeld wurde in dem Zusammenhang das Thema der eigentlich verbotenen Doppelstaatsbürgerschaft wieder einmal aufgewärmt. Es wurde darauf hingewiesen und auch gefordert, dass bei einer österreichisch- türkischen Doppelstaatsbürgerschaft die österreichische entzogen werden müsste. Ja, müsste. Es wurde nämlich gleichzeitig darüber geklagt, dass von türkischen Behörden keine Informationen über eine Doppelstaatsbürgerschaft erteilt werden und unsere Behörden somit nicht wissen und nicht erfahren, wer den rot- weiß- roten Pass zu Unrecht besitzt. Jetzt hätte man die für die nächste Zeit wohl einmalige Chance, Licht in dieses Dunkel zu bringen. Abstimmen dürfen bei diesem Referendum wohl nur türkische Staatsbürger und abgestimmt wird laut Zeitungsbericht nur in den diplomatischen Vertretungen der Türkei. Wie wäre es, alle, die zur Abstimmung gehen, einer Ausweiskontrolle zu unterziehen? Aus Sicherheitsgründen. Österreich muss ja für die Sicherheit der diplomatischen Vertretungen garantieren. Auf Grund der gewonnenen Informationen wäre es dann ein Leichtes, Doppelstaatsbürger heraus zu filtern.

Aber will das eigentlich jemand ernsthaft? Könnte ja auch sein, dass das Palaver um die Doppelstaatsbürgerschaft nur Theaterdonner war.

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