Es ist erst ein paar Tage her, da vermeldete die EU- Kommission, dass sie an EU- weite Einschränkungen bei Barzahlungen denke; wegen Terrorismusfinanzierung, Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Eh klar. Ganz auf treuherzig machend startete die EU- Kommission eine Online- Bürgerbefragung dazu. Die Antworten sind ziemlich einseitig vorgegeben, aber die Herrschaften wollen sich damit ein demokratisches und bürgernahes Mäntelchen umhängen. Allerdings weiß von dieser Umfrage fast niemand. Es stellten sich sofort volksnahe Politiker und der Notenbankgouverneur vor die Mikrofone und versicherten, dass das bei uns überhaupt nicht in Frage kommen würde. Die Österreicher lieben das Bargeld, der Großteil der Zahlungen werde bar durchgeführt, für Kleinbeträge sei Bargeld günstiger, man habe damit einen besseren Überblick über die Finanzen usw. Zu guter Letzt wurde betont und versichert, dass wir in Österreich noch mindestens 50 Jahre das Bargeld haben würden. Dieses Versprechen der Politiker ist wahrscheinlich genau soviel wert wie das damalige Versprechen, dass der Schilling bleibt, dass das Bankgeheimnis bleibt etc. etc.

Wie der Zufall so spielt, wurde fast zeitgleich zum Vorstoß der EU- Kommission gegen das Bargeld eine Aktion des IWF, des Internationalen Währungsfonds, bekannt. Da hat doch ein Analyst des IWF, das ist ja ganz was anderes als offiziell der IWF selbst, ein Arbeitspapier vorgelegt. In diesem Papier wird Regierungen erklärt, wie sie die Bevölkerung überlisten und das Bargeld schrittweise abschaffen können.Das Papier nennt sich „The Macroeconomics of De- cashing“. Die beschriebenen Maßnahmen kommen einem bekannt vor. Abschaffung der großen Banknoten gehört dazu. Ja, wie ist das denn mit dem 500- Euro- Schein? Oder Obergrenzen für Barzahlungen. Oder Bewerben von Bezahlsystemen z. B. mit dem Smartphone oder darauf hinweisen, wie praktisch es ist, nicht auf Münzen und Scheine angewiesen zu sein. Natürlich sollen auch die kriminellen Möglichkeiten im Umgang mit Bargeld betont werden. Dass die kriminellen Aktivitäten beim digitalen Geld sehr stark ansteigen, soll natürlich nicht betont werden. Dass diese Empfehlungen zur Abschaffung des Bargeldes des IWF- Fachmannes auch für die Banken von großem Interesse sind, liegt auf der Hand. Die sind schon auf den fahrenden Zug aufgesprungen und zeigen sich sehr kreativ bis unverschämt beim Erfinden von diversen Gebühren und Abgaben. Eines darf man nicht vergessen: Ohne Bargeld hätte man absolut null Chancen, den Abgaben und Gebühren von Seiten der Banken zu entkommen, dafür wäre eine 100prozentige Kontrolle des Kontoinhabers durch Bank und Staat gegeben. Der gläserne Mensch ist spätestens ab dem Zeitpunkt Realität.

Das Arbeitspapier:

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