Vor Kurzem war es in Österreich noch ein großes Thema: Die eigentlich verbotene Doppelstaatsbürgerschaft, welche auch vermutlich zehntausende der etwa 250.000 in Österreich lebenden Personen mit türkischen Wurzeln besitzen. „Eigentlich verboten“ deshalb, weil es ja viele prominente Ausnahmen, hauptsächlich in den Bereichen Sport und Kultur, gibt. Jedenfalls haben vor Kurzem einige unserer ehrenwerten Politiker betont, dass die österreichische Staatsbürgerschaft zu entziehen ist, wenn jemand auch die türkische (oder auch eine andere) Staatsbürgerschaft besitzt. Das horchte sich vorerst einmal gut an. Wie sich bis jetzt gezeigt hat, war das aber nicht mehr als billige Effekthascherei auf der Jagd nach ein paar orientierungslosen Wählerstimmen. Es war nur Ankündigungstheater vom Allerfeinsten auf der großen politischen Schaubühne. (Zitat Bundeskanzler Kern: „…aber, ich meine, 95 Prozent der Politik, die geboten wird, besteht aus Inszenierung“) Der für dumm verkaufte Staatsbürger ist also sehr teuer bezahlender Theaterbesucher.

Bei diesem Politgeschrei vom Entzug der österreichischen Staatsbürgerschaft beim Besitz einer zweiten Staatsbürgerschaft, z. B. der türkischen, war vermutlich nie vorgesehen, diesen Entzug auch umzusetzen. Wenn schon von den türkischen Behörden keine Informationen über die Staatsbürgerschaft zu bekommen sind, so hätte beim „Erdogan- Referendum“ die Möglichkeit bestanden, die abstimmenden türkischen Staatsbürger in den hiesigen diplomatischen Vertretungen der Türkei zu erfassen und dann herauszufiltern, wer von diesen Leuten auch österreichische Staatsbürger sind. Diese Chance wurde augenscheinlich bewusst verpasst. Die türkischen Parlamentswahlen Anfang Juni 2015 hätten diese Chance ebenfalls geboten, auch damals gingen türkische Staatsbürger in die hiesigen Generalkonsulate zur Stimmabgabe und auch damals passierte nichts.

In den Reihen unserer sehr geschätzten Politiker sind leider sehr viele „Hätti- Wari- Täti- *Könnti“- Sprechpuppen und Ankündigungsprofis. Außerdem sollten die Politiker aufpassen, dass ihnen die „Fake- News“- Regeln nicht auf den Kopf fallen.

*für alle, die da etwas überfordert sind; es ist zu „übersetzen“ mit: „Hätte ich- Wäre ich- Täte ich- Könnte ich“.

 

 

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