Beim Verfassungsreferendum in der Türkei ist Präsident Erdogan als Sieger hervorgegangen, etwa 52 Prozent der Stimmberechtigten stimmten mit „Ja“ und Erdogan kann somit seine Macht fast uneingeschränkt ausweiten. Die Erweiterungsfantasten und Realitätsverweigerer in der EU sind jetzt verzweifelt am Suchen nach und Formulieren von Worthülsen, mit denen weitere Beitrittsverhandlungen mit der Türkei erklärt und gerechtfertigt werden sollen. Eines der dünnen Argumente ist, dass ja fast die Hälfte gegen die Autokratie gestimmt habe und dass dies ein „sensationelles Ergebnis für die Gegner Erdogans“ sei. Von den in Österreich lebenden Türken haben allerdings fast drei Viertel für Erdogans Präsidialsystem gestimmt. Ist das nicht auch ein sensationelles Ergebnis und was sagen da unsere Befürworter von Multikulti und Demokratie und „Werten“ in der Türkei dazu? Eigentlich müssten sie spätestens jetzt realisieren, dass von vielen ihre Anbiederung nicht ernst genommen und als Geschwätz aufgefasst wird. Bei einer zunehmend autoritären Türkei, und die wird durch das Referendum jetzt Realität, wird ein Teil der österreichischen Türken in Zukunft noch „selbstbewusster“ auftreten; das Verhältnis mit und zu ihnen wird nicht besser werden.

Bei der Gelegenheit möchte ich auch wieder einmal ganz dezent auf das Thema „Doppelstaatsbürgerschaft“ hinweisen. Gedenkt da jemand aus der hohen Politik was zu machen oder waren die öffentlichen Gespräche darüber nur heiße Luft? Bis jetzt scheint es, als seien die Österreicher da von allen Parteien wieder einmal vera….t worden. In der Politik gilt ja immer häufiger: „Nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht“.

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