Unser sehr geehrter Herr Bundespräsident hat bei einer Diskussionsveranstaltung mit einem Sager für allgemeine Aufmerksamkeit gesorgt. Er sagte nämlich: „Es ist das Recht der Frau – tragen Männer auch Kopftücher? – sich zu kleiden wie auch immer sie möchte. Das ist meine Meinung dazu. Im Übrigen nicht nur muslimische Frauen. Jede Frau kann ein Kopftuch tragen. Und wenn das so weitergeht,… bei der tatsächlich um sich greifenden Islamophobie wird noch der Tag kommen, wo wir alle Frauen bitten müssen, ein Kopftuch zu tragen. Alle, als Solidarität gegenüber jenen, die es aus religiösen Gründen tun“.

Vorab einmal: Danke, Herr Bundespräsident, dass Sie allen Frauen und somit auch den nicht- islamischen das Recht zugestehen, sich zu kleiden wie sie wollen. Und zu den islamischen Kopftuchträgerinnen, die es aus religiösen Gründen tragen: Eine Sprecherin der IGGiÖ sagte in einer ORF- Sendung, dass das Kopftuch nichts mit dem Islam zu tun habe, es keine religiöse Verpflichtung zum Tragen des Kopftuches gibt. Eine Fatwa, ein religiöses Rechtsgutachten, empfiehlt aber das Tragen des Kopftuches. Öffentlich und laut darüber nachzudenken, dass „aus Solidarität“ auch alle nichtmuslimischen Frauen ein Kopftuch tragen sollen, ist doch etwas krass. Diese etwas sonderbare Idee des Bundespräsidenten soll also für gut und politisch korrekt aufgefasst werden. Würde man aber die islamischen Kopftuchträgerinnen ersuchen, „aus Solidarität“ gegenüber den ermordeten und verfolgten Christen in ihren Heimatländern doch auf das Tragen des Kopftuches zu verzichten, würde ein Schrei der Empörung durch das Land gehen.

Das Festhalten der Migranten an der traditionellen Kleidung ihrer Herkunftsländer halte ich übrigens, und mit der Ansicht stehe ich nicht allein da, für ein unübersehbares Zeichen von Assimilations- Verweigerung, wie sie der türkische Präsident Erdogan auf einer Rede in Deutschland einmal gefordert hat. Das ist etwa damit vergleichbar, als wenn ein ausgewanderter Österreicher in seiner neuen Heimat, z. B. irgendwo in Asien, nur mit kurzer Trachtenlederhose, „Goiserern“ und Filzhut mit Gamsbart unterwegs wäre.

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