Als klar war, dass die Briten aus der EU austreten werden, hörte man aus Brüssel einmal eine Weile nicht viel; da war Funkstille. Dann hörte man, Brüssel würde etwa 60 Milliarden von den Briten fordern. Weil noch „Mitgliedsbeiträge“ und andere Forderungen offen seien. Dann war von britischer Seite zu hören, sie würden keinen einzigen Euro, kein einziges Pfund nach Brüssel oder sonst wohin zahlen, weil es dafür keine juristische Verpflichtung gäbe. Sie würden im Gegenteil 10 Milliarden von Brüssel fordern, denn das wäre der britische Anteil an der EIB, der Europäischen Investitionsbank, und dieser Anteil wäre mit dem Austritt aus der EU fällig. Damit ist aber das Feilschen noch lange nicht erledigt. Die EU hat einen Zahn zugelegt und fordert jetzt satte 100 Milliarden Euro; die Briten sollen für die nächsten Jahre noch für Subventionen und EU- Bürokratie bezahlen. Diese 100 Milliarden wären als Akonto- Zahlung gedacht, wobei sich die echten Kosten in den nächsten Jahren verringern würden. Die Briten sollen, wenn es nach Brüssel geht, auch für Kredite und Garantien z. B. für die Ukraine so lange zahlen, bis die vollständig zurück gezahlt sind. Das wird im Fall der Ukraine aber erst am „St. Nimmerleinstag“ passieren und die Griechen fordern gar, dass die Briten für die Kosten für die Flüchtlinge mitzahlen müssen, die in Griechenland sitzen.

Da ist also noch viel zu verhandeln und zu streiten, die echten Austrittsverhandlungen haben ja noch gar nicht begonnen. Die britische Premierministerin Theresa May hat ja schon angekündigt, dass sie eine harte Verhandlungspartnerin sein wird und sie ist jetzt durch die Wahlergebnisse in Großbritannien noch gestärkt worden. Die Briten wissen, dass sie für die EU ein großer und interessanter Absatzmarkt sind und sie werden diesen Vorteil zu nutzen wissen. Genau so wie den Vorteil der Steuerhoheit, da sie nach dem Brexit wieder frei und eigenständig entscheiden können. Über die Regeln z. B. bei Konzernbesteuerung können sie aus der EU dann viele Konzerne und somit Milliarden auf die Insel locken. Das weiß am besten Herr Juncker, denn er selbst hat genau das als Finanzminister von Luxemburg schon vor Jahren gemacht und dadurch anderen EU- Staaten riesige Summen an Steuern abgesaugt. Die Brüsseler Bürokraten sehen wahrscheinlich schon ihre Felle davonschwimmen. Wie eine deutsche Seite auflistet, droht der EU durch den Brexit eine Schlappe, wenn es nicht für beide Seiten akzeptable Lösungen z. B. über die Bekämpfung von Steueroasen oder den Außenhandel oder die Gastarbeiter aus der EU in Großbritannien etc. gibt. Drohungen von Seiten der EU bringen nichts; die Briten sitzen vielleicht am längeren Hebel.

Jacques Attali, Sonderberater von Francois Mitterrand, sagte einmal: „Zur 1. Version des Maastricht- Vertrages: … Wir haben einen Artikel, der [einem Mitgliedstaat] den Austritt erlaubt, absichtlich „vergessen“. Das war nicht sehr demokratisch. Doch es war eine große Garantie dafür, die Dinge schwieriger zu machen…“ Das rächt sich jetzt bei den Brexit- Verhandlungen.

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