Die Begeisterungsstürme wollten kein Ende nehmen; in seltener Einigkeit feierten die Politiker fast aller Coleurs und auch die Medien beinahe weltweit den Sieg Macrons über Marine Le Pen bei der französischen Präsidentschaftswahl. Dabei war der Jubel bei den Politikern aus dem linken Lager eigentlich nicht nachvollziehbar, vertritt doch Macron als ehemaliger Banker bei einer elitären Bankerdynastie eher die Interessen des Kapitals und der Hochfinanz denn des linken „Basislagers“. Die kollektive Begeisterung des Wahlsieges über die „rechtsextreme Hetzerin“ Marine Le Pen ließ die linke Politikerriege aber wie die sprichwörtlichen „Duracell- Hasen“ vor Freude jubeln. Jetzt, ein paar Tage nach den Siegesfeiern, kehrt Ernüchterung ein, der Alltag bestimmt wieder das Leben und Macron selbst sorgt für Katzenjammer. Er, der Liebling der Medien und der Politik, hat einen Vorschlag präsentiert, der in Brüssel und Berlin gar nicht gut ankommt. Demnach sollen Behörden und staatliche Einrichtungen in der EU dazu verpflichtet werden, beim Einkauf nur Produzenten aus der EU zu berücksichtigen. Protektionismus ist aber nicht das, was die EU will und auch die Deutschen halten das für keine gute Idee. Gerade sie als Exportweltmeister setzen auf offene Märkte. Ausserdem käme dieser Protektionismus der Linie von US- Präsident Trump gleich und das will man ja gar nicht. Der „Buy European Act“ ist allerdings eine zentrale Forderung im Wahlprogramm von Macron. Diese Forderung dürfte allerdings im Kampf gegen Le Pen übersehen worden sein. Die Ablehnung wird von Brüssel, in geistreiche Formulierungen verpackt, jetzt kundgetan. Es passe „nicht sehr gut“ zu Europas Beschaffungsgrundsätzen, staatlichen Stellen „unabhängig von Qualität und Preis“ den Kauf von Waren und Dienstleistungen „nur auf Grundlage von geografischen Quoten“ vorzuschreiben, sagte z. B. ein Vizepräsident der EU- Kommission, Jyrki Katainen und Frans Timmermans, der erste Vizepräsident, meinte: „Es steckt kein Schutz im Protektionismus, aber es gibt Isolation im Isolationismus. Und wer isoliert ist, wird zurückbleiben. Und wer zurückbleibt, wird viele Chancen verpassen und darunter leiden“.

Peinlich, vom Favoriten in Verlegenheit gebracht zu werden.

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