In der Schweiz wurde über die Nutzung der Atomenergie abgestimmt. Unabhängig vom Abstimmungsergebnis sollen aber die bestehenden Reaktoren weiter betrieben werden, so lange sie als sicher eingestuft werden. Bei der Abstimmung ging es darum, ob langfristig aus der Kernenergie ausgestiegen und erneuerbare Energie gefördert werden soll; die Schweizer haben übrigens für einen langfristigen Ausstieg gestimmt. Zumindest eine politische Partei in der Schweiz hatte etwas gegen einen Atomausstieg, denn sie warnte vor steigenden Stromkosten.  Die Grundsatzentscheidung über Atomkraft wurde in Österreich schon vor so langer Zeit getroffen, dass sich viele Bürger wohl gar nicht mehr daran erinnern können.

Mit der Mär vom billigen Atomstrom werden ja die Bürger weltweit für dumm verkauft. Atomstrom ist nämlich bei umfassender Betrachtungsweise nicht einmal auf den ersten Blick als billig einzustufen und als sicher erst recht nicht. Der Bau eines Atomkraftwerkes kostet das Mehrfache eines herkömmlichen Kraftwerks, auch Betrieb und Wartung sind wesentlich kostenintensiver. Da Atomkraftwerke, so wie andere Kraftwerke auch, eine begrenzte Nutzungsdauer haben, müssen sie irgendwann außer Betrieb genommen werden. Dann kommt die Phase, über die niemand sprechen will und wenn, dann soll die Wahrheit verschwiegen werden. Abriss, Rückbau, Dekontamination kosten nämlich so viel Geld, dass sich sogar lügenerprobte Politiker und Manager vor Fragen dazu drücken. In Deutschland beispielsweise ist der Atomausstieg (bis jetzt) zeitlich fixiert. Mit den „paar“ Milliarden, welche die Betreiber für Rückbau, Entsorgung, Kontamination etc. angeblich zur Seite gelegt haben, werden sie aber nicht weit kommen. In Frankreich wird dieses Problem irgendwann noch viel größer; dort gibt es etwa 80 AKW´s. Am britischen Standort Sellafield befinden sich viele Atomanlagen inklusive Wiederaufbereitungsanlage und Atomreaktoren und eine Anlage ist wegen eines Atomunfalles im Jahr 1957 verseucht bzw. verstrahlt. Diese Anlage wird seit 2010 abgebaut und „entsorgt“. Die Arbeiten werden schlimmstenfalls noch Jahrzehnte dauern, die Kosten wurden nach vorsichtigen Schätzungen auf etwa 70 Milliarden nach oben korrigiert. Aus den USA gab es vor ein paar Wochen auch eine alarmierende Meldung; in einem riesigen Atommülllager ist ein Tunnel eingestürzt. Auf diesem Areal wurde vor Jahrzehnten ein AKW stillgelegt. Die Dekontaminations- und Entsorgungsarbeiten sollen im Jahr 2060 abgeschlossen sein; mit geschätzten Kosten von mehr als 100 Milliarden Dollar. Was ist mit Three Mile Island, was mit Tschernobyl? In Fukushima wird noch immer mit jedem Tag der Pazifik mit radioaktivem Wasser verseucht und die Ruinen „strahlen“.  Was soll übrigens ein „sicheres“ Atommüll- Endlager sein? Wer soll die das Begriffsvermögen übersteigenden Entsorgungskosten zahlen, wenn nicht der Steuerzahler? Es ist jedenfalls eine Verhöhnung der mündigen Bürger, von „billigem Atomstrom“ zu sprechen. Und zu guter Letzt soll nicht vergessen werden, dass AKW´s das waffenfähige Material für Atombomben produzieren.

Ausstieg aus der Atomkraft ist gut, aber ein großer Fehler war der Einstieg und die größte Frechheit ist, zu behaupten, Atomstrom sei umweltfreundlich. Die Schweizer haben jedenfalls richtig entschieden.

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