Als der EU- Kommissionspräsident Juncker vor ein paar Tagen den Plenarsaal des EU- Parlaments in Straßburg betrat, hat er sich wohl einmal verwundert die Augen gerieben und er meinte wohl, schlecht zu sehen. Im EU- Parlament war eine Debatte angesagt, bei der es um die Ergebnisse der zu Ende gegangenen EU- Präsidentschaft Maltas unter Ministerpräsident Joseph Muscat ging und was bekam Herr Juncker zu sehen? Fast nichts. Genau genommen nur 30 oder, wie es in einem anderen Bericht heißt, nur rund 30 von insgesamt 751 EU- Abgeordneten. Die anderen schwänzten ganz einfach die Debatte. Da platzte Juncker der Kragen und er schimpfte: „Das EU- Parlament ist lächerlich, sehr lächerlich… Wenn Herr Muscat Frau Merkel oder Herr Macron gewesen wäre, dann wäre das Haus voll gewesen“. Das EU- Parlament müsse auch die Präsidentschaft kleiner Staaten respektieren, verlangte Juncker und versprach auch, nie wieder an einer solchen Sitzung teilzunehmen. EU- Parlamentspräsident Tajani sah die Sache natürlich anders, empörte sich über den Rüffel von Juncker und sagte: „Ich bitte Sie darum, eine andere Sprache zu verwenden. Wir sind nicht lächerlich“.

Auf einer deutschen Webseite wurde der Vorfall von einem Parteisprecher folgendermaßen kommentiert: „Dieser Eklat auf dem Brüsseler Narrenschiff offenbart erneut, dass sowohl die EU- Kommission als auch das Parlament ein abgehobener Elfenbeinturm ist, der mit einem Europa der Vaterländer so viel zu tun hat, wie Afrika mit der Antarktis. Es ist ein Skandal, dass lediglich 30 von über 700 überbezahlten Abgeordneten im Saal sitzen, während es um die EU- Präsidentschaft geht“.

Hier möchte ich Herrn Juncker einmal recht geben. Es kann ja wirklich nicht angehen, dass fast alle Abgeordneten eine Debatte schwänzen. Möglicherweise kassierten sie trotzdem das Sitzungsgeld und gingen derweil anderen Beschäftigungen nach. Diese Vorgehensweise zeigt die moralische Einstellung der Herrschaften auf.

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