Der irakische Ministerpräsident kam extra nach Mossul, um die Befreiung der Stadt und den Sieg über den IS zu verkünden und das auch gebührend zu feiern. Die Siegesansprache wurde aber verschoben, weil im Hintergrund noch Schießereien zu hören waren. Ja, es gibt noch aktive IS- Kämpfer, wurde eingestanden; vielleicht 30, vielleicht auch 300. Man weiß es nicht. Man weiß nur, sie werden sich nicht ergeben. Sie leisten heftigen Widerstand. Sie werden kämpfen bis zu ihrem Tod oder flüchten, falls es möglich ist. Diese verbliebenen Kämpfer sind keine Iraker, heißt es, sondern Ausländer und offizielle Stellen befürchten, dass sie nach Europa zurückkehren wollen. Seit Oktober dauerten die Kämpfe zur Befreiung Mossuls, wo vor allem der Westteil nach den Bombenangriffen und Straßenkämpfen eine Steinwüste, ein unbewohnbares Trümmerfeld ist. Am Boden kämpften die irakische Armee und ihre Verbündeten, die Luftangriffe wurden von der Anti- IS- Koalition unter Führung der USA durchgeführt. Als die syrische Stadt Aleppo von den Syrern und den Russen vom IS befreit wurde, empörte sich die westliche Welt wegen der bei den Kämpfen getöteten Zivilisten. Jetzt, nach endlos langen Häuserkämpfen und immer massiveren Bombenangriffen ist der IS- Terror in Mossul fast beendet und die Iraker feiern den Sieg. Die Frage nach zivilen Opfern hört man kaum und wenn, dann wird von einigen Hundert gesprochen. Es wird sich kaum jemals genau sagen lassen, wie viele es wirklich waren, die Zahl dürfte aber im hohen vierstelligen Bereich liegen.

Jetzt wird mit dem Wiederaufbau begonnen. Der wird Jahre dauern und Milliarden kosten. Der IS mag geschlagen und vernichtet sein, aber die Iraker können noch lange nicht sagen: „Wir haben es geschafft“. Es gibt noch viele Probleme zu lösen, bei denen auch das Ausland mitspielt. Etwa, ob der Irak aufgeteilt wird oder ob nur die reiche Erdölregion als kleines „Dankeschön“ des Westens ein eigener Kurdenstaat wird oder wie es weitergeht zwischen Sunniten und Schiiten usw. Vielleicht soll der Irak auch ein Dauer- Konfliktherd bleiben, weil es einige so wollen. Vielleicht wird auch einmal offiziell bekannt gegeben, wer die Mörder und Terroristen des IS groß werden ließ, wer sie tatkräftig unterstützte und welche Ziele damit verfolgt wurden.

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