Pünktlich vor jeder Wahl wird ein echter oder auch nicht echter FPÖ- Skandal aus dem Hut der FPÖ- Jagdgesellschaft gezaubert. Ob frische Geschichte oder gut konserviert, weil schon steinalt, spielt keine Rolle. Bemerkenswert ist höchstens, dass da „Geschichtln“ auf Lager gelegt werden, um sie bei Bedarf, das heißt vor der nächsten Wahl hervorzuholen, aufzuwärmen und aufzublasen. Dieses Mal geht es um einen Abgeordneten namens Hübner, der vor langer Zeit irgendwo in Deutschland eine Rede hielt; angeblich vor Rechtsradikalen. Dort sprach er auch darüber, dass der Schöpfer der österreichischen Bundesverfassung von 1920, Hans Kelsen, einmal Kohn hieß; was aber nicht stimmt. Er erntete dafür Gelächter. So etwas zu erwähnen soll „ein beliebter antisemitischer Code unter Rechtsradikalen“ sein, schreibt eine Zeitung. Hätte ich es jetzt nicht gelesen, wüsste ich es weiterhin nicht. Nachdem die FPÖ unter schweren politischen Beschuss geriet, gab der Abgeordnete bekannt, nicht mehr für die Nationalratswahl zu kandidieren.

In einem Kommentar zu der Affäre schrieb übrigens jemand, dass ein Großindustrieller im Autobau, der ausgewanderte Österreicher Frank Stronach, früher Franz Strohsack hieß und der ehemalige Chef der Kontrollbank und Ex- Minister Rudolf Scholten angeblich unter dem Namen Rudolf Pfefferkorn bekannt war (worüber aber Wikipedia nichts zu berichten weiß) und sich noch nie jemand, auch nicht der Betroffene, aufregte, wenn das erwähnt wurde. Der im damaligen Österreich lebende Großvater von Ex- US- Außenminister John Kerry hieß laut Wikipedia übrigens Fritz Kohn und ließ seinen Familiennamen, nachdem er 1901 vom Judentum zum katholischen Glauben konvertierte, in den irisch klingenden Namen Kerry umändern. Auch daran hat sich, wenn das erwähnt wurde, nie jemand gestoßen.

Gratulation jedenfalls an die Macher der Hübner- Kampagne; eine gelungene Aktion. Mandatar abgeschossen, Partei angeschossen.

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