Jahrelang wurde versucht uns einzureden, dass mit den Stresstests und anderen Maßnahmen der nur um unser Wohl besorgten EU- Kommission und der EZB finanzmässig in der EU und auf jeden Fall in der Eurozone alles in bester Ordnung sei; Draghi sei Dank. Jetzt aber mehren sich die Anzeichen, dass dem nicht so ist. Warum sonst sollen sich EU- Staaten über ein EU- weites Sperren von Konten für den Fall eines drohenden Ansturms von Sparern auf Banken beraten? Es soll geklärt werden, wie Geldauszahlungen bzw. Abhebungen von Bargeld für einige Tage blockiert werden können. Geplant sind fünf Werktage, das heißt im Klartext ein Wochenende, dann fünf Werktage plus Wochenende und bei „außergewöhnlichen Umständen“ sollen es 20 Tage werden. Das sind also Maßnahmen gegen einen sogenannten „Bank Run“, wenn die Sparer ihr eingelegtes Geld abheben wollen. Die wollen Bargeld abheben, aber nur etwa 10 Prozent des gesamten Geldes ist Bargeld. In Zypern gab es schon ähnliche Maßnahmen und in Griechenland wurde palettenweise Bargeld eingeflogen, als die Leute begannen, massiv Bargeld abzuheben. Vor ein paar Wochen krachte eine spanische Großbank zusammen, nachdem nervös gewordene Kunden und Sparer ihre Konten leerräumen wollten. In Deutschland wurde vergangenes Jahr, angeblich ohne Grund, wieder einmal an das Anlegen von Krisenvorräten erinnert und es wurde ausdrücklich auch auf Bargeld hingewiesen. Andererseits ist das Schreckensszenario eines Bank- Runs einer der Gründe für die Bemühungen, das Bargeld abzuschaffen. Die Einlagensicherung obliegt ja, zumindest in Österreich, nicht mehr dem Staat, sondern den Banken und deren Einlagensicherungstöpfe sind ziemlich leer. Beginnt es zu kriseln, und es kriselt längst, sollen Bargeldauszahlungen verhindert werden können.

In Italien macht sich schon die Krise breit; die Aktienkurse der Banken verfallen, die Banken haben insgesamt bis zu 360 Milliarden an faulen Krediten in ihren Büchern, Bankomaten sind leer und die Regierung schließt nicht aus, dass Sparer und Anleger das Vertrauen in die Banken verlieren. Die drittgrößte Bank des Landes sitzt alleine auf mehr als 20 Milliarden an faulen Krediten. Italiens Regierungschef Renzi hat von der EU 40 Milliarden an Soforthilfe gefordert, um krachende Banken zu retten und und die Sparer zu schützen. Die EU- Staaten sollen also Italiens Banken retten. Geht es nach den Bankenregeln der EU, müssten aber zuerst die Bankaktionäre, dann die Besitzer großer Guthaben und dann der Steuerzahler, in dem Fall der italienische, die Bank und die Sparer retten. Die EU hat sich aber noch fast nie an ihre eigenen Regeln gehalten. Von der EZB werden 150 Milliarden für Italien bereitgestellt, wobei der italienische Staat bei Großbanken mit 550 Milliarden in der Kreide steht und die Staatsverschuldung bei 135 Prozent des BIP liegt. Die Situation in Italien ist also alles andere als rosig; in Frankreich schaut es aber nicht viel besser aus. Diese beiden Länder sind nach Deutschland die größten Volkswirtschaften in der Eurozone. Wenn die ins Straucheln kommen, lösen sie ein Erdbeben aus. Mit einem Domino- Effekt dazu.

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