Noch nie gab es beim ORF und bei den privaten Fernsehanstalten so viele Sendungen zur Nationalratswahl, meist mit einzelnen Kandidaten, aber auch Duelle und ganze Runden. Die treuherzig vorgebrachten geplanten Vorhaben im Falle eines Sieges sind ebenfalls rekordverdächtig. Nutznießer soll jeder Wähler, wenn nicht gar jeder Österreicher oder sogar jede in Österreich lebende Person sein, belastet soll niemand werden. Anscheinend kam die geistige Erleuchtung erst jetzt über die Politiker, sonst hätten sie die geplanten Wunder ja längst vollbringen können. Zeitgleich zur geistigen Erleuchtung der Politiker müssten aber die Bürger mit geistiger Umnachtung geschlagen worden sein, wenn sie all die leeren Versprechungen, Worthülsen, Lügen, Wortspiele etc. für bare Münze nehmen und tatsächlich glauben sollen. Rekordverdächtig ist aber auch die Summe an Steuergeldern und Spenden für Wahlwerbung und die Zahl der wahlwerbenden Parteien und Listen. Laut Innenministerium sind es insgesamt 16, davon 10 bundesweit. Beachtlich, wer alles den Steuerzahler, Wähler, Bürger, also den angeblichen Souverän, beglücken und zufrieden stellen will. Es wird natürlich auch mit „versteckten Fouls“ gearbeitet. Der ORF z. B. hat einmal bei der ZIB 1 fälschlicherweise verkündet, dass eine Liste es nicht geschafft habe und auf der Web- Seite der „erfolgreichsten Politik- Orientierungshilfe“ wird gar nur von acht antretenden Parteien gesprochen, wobei weder die antretenden noch die „unterschlagenen“ genannt werden. Die SPÖ klagt ÖVP- Obmann Kurz wegen einer Bemerkung zu Parteispenden. Ein ehemaliger FPÖ- und BZÖ- Mandatar klagt u. a. den schon einige Male unangenehm aufgefallenen Sohn von Kanzler Kern wegen verletzter Unschuldsvermutung. Der „Edelrote“ Cap vertritt im Kampf um einen Abgeordnetensessel Meinungen und Ansichten, die man ihm niemals, aber Blauen jederzeit zugetraut hätte. Dass der von den Grünen abmontierte Peter Pilz bei der kommenden Wahl deren Sargnagel wird, hat sich ja längst abgezeichnet. Dass er aber auch ins freiheitliche Revier wildern geht, kurz vor der Wahl ein Buch mit dem Titel „Heimat Österreich“ herausgibt mit Kapiteln wie „Angriff auf Europa“ oder „Österreich schützen“, hätte man doch nicht erwartet. Dass sich so viele Parteien auf Bereiche der Freiheitlichen gestürzt haben und bei Kickl und Strache einen Themen- Notstand ausgelöst haben, ist ja auch ein Rekord. Noch nie standen so viele Parteien so weit rechts. Es mutet wie ein stilles Abkommen an, der FPÖ gemeinsam Stimmen abzujagen. Das mit der Rechtspositionierung wird aber nach der Wahl schlagartig wieder anders ausschauen. Da werden den Wählern dann die Augen aufgehen und sie werden sehen, wer das Original ist und wer die Kopien sind.

Oscar Wilde sagte einmal: „Wenn Wahlen wirklich etwas verändern würden, wären sie schon längst verboten…“

Und Joschka Fischer, ein ehemaliger deutscher Außenminister, meinte: „Wenn die Mehrheiten sich ändern, mag es eine andere Koalition geben. Aber es wird keine andere Politik geben. Dazu steht zu viel auf dem Spiel. Das wissen alle Beteiligten“.

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