Kanzler Kern hat unlängst bei einem Interview sinngemäß gesagt, er ist nach einem SPÖ- Wahlsieg weiter Kanzler oder die SPÖ ist, falls sie Zweiter oder gar Dritter wird, in der Opposition und er von der Politik weg. Das mit der Opposition hören viele Rote aber gar nicht gern; man möchte doch gerne auch zukünftig in den Medien präsent sein, an der Macht sein und am lieb gewonnenen Futtertrog verweilen. In einer Koalition die zweite Geige zu spielen ist immer noch besser als auf der harten Oppositionsbank Platz zu nehmen, meinen deswegen gar nicht so wenige. Das wird auch der Grund sein, dass Verteidigungsminister Doskozil jetzt im Wahlkampf immer mehr in Stellung gebracht wird. Er wird ja von vielen als „das beste Pferd im roten Stall“ gesehen und soll im Fall einer Wahlniederlage nach Möglichkeit in einer Koalition den Vizekanzler machen. Doskozil kann ja blendende Umfragewerte vorweisen, hat keine Berührungsängste gegenüber den anderen Parteien, pflegt sogar ein fast freundschaftliches Verhältnis zum ÖVP- Chef Kurz. Ganz sicher nicht zufällig erscheint jetzt in der heißen Phase des Wahlkampfes auch noch eine Doskozil- Biographie.

Allerdings; Doskozil macht sich z. B. auch für ein Ende der illegalen Zuwanderung stark. Das heißt jedoch, die legale Zuwanderung kann oder soll weitergehen. Er machte sich bei seinem Amtsantritt auch stark für Abschiebungen und hat die Herkules- Transportmaschinen zur Unterstützung angeboten. Von einem einzigen Abschiebeflug wurde berichtet und der war eine Blamage. Von etwa 50 Personen in der Maschine waren 11 Abzuschiebende und die wurden nicht etwa in ihre Herkunftsländer geflogen, sondern nach Bulgarien. Damit die Rückkehr nach Österreich nicht gar zu beschwerlich ist. Doskozil war während der Grenzöffnung im Sommer 2015 Landespolizeidirektor im Burgenland und war mit viel Engagement, ja schon fast Begeisterung dabei, die Unterstützung von hunderttausenden illegalen Grenzgängern zu koordinieren. Asylwerber konnte man sie ja schlecht nennen; sie überrannten die Grenze, ließen sich nicht registrieren, stellten keinen Asylantrag. Der Staat hat noch nie in dieser Größenordnung versagt; es war ein „komplettes Systemversagen“ und gedankenlose Verletzung des Rechtsstaates, wie es eine Zeitung richtig benannte. Und bei diesem kompletten Systemversagen hat Herr Doskozil in seiner Funktion als Landespolizeidirektor mitgewirkt. Daran will sich heute aber niemand mehr erinnern, ist ja schon wieder zwei Jahre her.

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