Der Finanzminister braucht Geld. Also legt er eine Bundesanleihe auf und hofft, dass das Tauschgeschäft Geld gegen Schuldschein gut läuft. Es gibt bei dieser Anleihe nämlich eine Besonderheit: Diese Anleihe ist kein „Kurzläufer“ (hat übrigens nichts mit dem ÖVP- Chef zu tun), sondern hat eine Laufzeit von hundert (in Worten: einhundert) Jahren! Die Endfälligkeit ist also im September 2117. Ein Optimist, wer darauf warten will. Die Verzinsung ist übrigens mit etwa 2 Prozent „sehr gut“ und, man möchte es nicht glauben, Investoren und Spekulanten stehen Schlange, um dieses Papier zu kaufen. Eine andere100jährige Anleihe wurde von einem Finanzmann vor ein paar Monaten ein „wertloses Versprechen“ genannt. Das Finanzministerium betont, dass ja irgendwann die Zinsen wieder steigen werden und die fixierte Verzinsung von etwa 2 Prozent dann dem Staat und somit dem Steuerzahler Geld spare. So kann man es sehen. Man kann es auch anders sehen und sich fragen, ob Österreich schon so „am Sand“ ist, dass man die Fälligkeit einer z. B. 10jährigen Anleihe nicht mehr bedienen könnte und deshalb mit einer 100jährigen auf den „St. Nimmerleinstag“ ausweicht.

Eine Anleihe mit 100 Jahren Laufzeit ist schon ein starkes Stück, es geht aber noch stärker. Die EZB, die Europäische Zentralbank also, kauft ja schon lange Anleihen auf und ist da auch nicht besonders wählerisch. Mittlerweile sind ja Staats- und Unternehmensanleihen auch fast auf Ramsch- Niveau für unvorstellbare Summen gekauft worden; da wurden auch ganz besondere portugiesische Anleihen gekauft. Es sind dies Anleihen aus den Jahren 1940, 1942 und 1943, die ursprünglich eine Laufzeit bis zum 31, 12. 9999 hatten, also über 8.000 Jahre! Diese Laufzeit wurde dann auf 2199 „vorverlegt“. So kann man es heute noch auf Screenshots im Internet finden. Für solche Papiere zahlt die EZB tatsächlich echtes Geld.

Die österreichische 100jährige Anleihe befindet sich da ja fast in guter Gesellschaft und der Finanzminister kann ruhig schlafen, denn er braucht sich wegen der Endfälligkeit dieser Anleihe den Kopf nicht zu zerbrechen.

Zu den Portugal- Anleihen:

Über den Link „Direkt- Download“ kommt man zu den von der EZB gekauften Anleihen, etwa 22.000 Zeilen, aber die beim Screenshot unter „Auszug aus der EZB- Gift- Liste“ angegebenen Zeilen- Nummern stimmen nicht. Die Anleihe „PTCON 30“ habe ich unter Zeile 9661 gefunden und nicht unter 16378, „PTCON 40“ unter Zeile 10229 und nicht unter 11863.

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