Die Wahl in Deutschland ist geschlagen. Die Unionsparteien CDU/ CSU mit Kanzlerin Merkel an der Spitze mussten eine kräftige Ohrfeige hinnehmen; knapp 9 Prozent Minus ist ja kein Klacks. Merkel sagt aber trotzig, und es stimmt ja auch, dass die Union trotz der Niederlage stärkste Kraft bleibe. Ja, die Ohrfeige hätte kräftiger ausfallen sollen, um vielleicht eine andere Politik zu erwirken. Schlimm erwischte es auch die SPD mit Schulz an der Spitze. Mit einem historischen Tief von etwa 21 Prozent und einem Minus von etwa 5 Prozent wurden die Roten regelrecht gedemütigt. Sieger sehen wirklich anders aus. Wie es die Grünen trotz ihrer Politik zu einem kleinen Plus schafften, ist mit logischem Denken nicht zu erklären. Gewinner sind die FDP, die wieder in den Bundestag einziehen darf und die AfD, die ihr Ergebnis der letzten Wahl fast verdreifachen konnte und jetzt drittstärkste Kraft im Bundestag ist. Wer jetzt immer noch glaubt, dass die schwarz- rote Regierung im Sinne der Bevölkerung regierte, dem ist nicht zu helfen. Dieses Wahlergebnis ist nämlich eine, allerdings sehr sanfte, Abrechnung mit der praktizierten Politik der letzten Jahre und sie hätte noch wesentlich derber ausfallen können. Die “staatstragenden” Parteien werden jetzt jedenfalls eine Weile ihre tiefen Wunden lecken. Die SPD will in die Opposition gehen, in der Union wird es kräftig zu rumoren beginnen, Merkel wird weitermachen wie bisher, aber vielleicht zur Halbzeit abdanken.
  Hat die deutsche Wahl Auswirkungen auf die Wahl in Österreich? Die Politologen, Wahlforscher und Kaffeesudleser werden dazu in den nächsten Tagen viel reden, aber nichts konkretes sagen können. Sie wissen es nicht, sie können nur vermuten. Theoretisch müssten, wegen der annähernd gleichen Politik, auch bei uns Rot und Schwarz und im Gegensatz zu Deutschland auch Grün kräftig abgestraft werden. Theoretisch müsste die FPÖ deutlich dazu gewinnen, aber auf das Theoretische kann man sich nicht immer verlassen. Der typische Österreicher fällt ja immer wieder auf die Wahlversprechen herein, vergisst zu schnell die Schweinereien der Regierungsparteien und hofft starken Glaubens auf Besserung, aber keiner will glauben, was der ehemalige deutsche Außenminister Joseph “Joschka” Fischer schon sagte: “Wenn die Mehrheiten sich verändern, mag es eine andere Koalition geben. Aber es wird keine andere Politik geben. Dafür steht zu viel auf dem Spiel und das wissen alle Verantwortlichen”.
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