Als sich einige Jahre nach dem Balkan- Krieg der Kosovo unter der Regie der NATO bzw. der USA im Februar 2008 von der Bundesrepublik Serbien trennte und das Parlament in Pristina die Unabhängigkeit ausrief, war die politische westliche Welt noch so einigermaßen in Ordnung und alles blieb ruhig. Es kam sogar der Internationale Gerichtshof im Juli 2010 in einem, allerdings rechtlich nicht bindenden, Gutachten zu dem Ergebnis, dass die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo nicht gegen das Völkerrecht verstoße und mehr als 110 UN- Mitgliedsstaaten haben den Kosovo seither als unabhängigen Staat anerkannt. Die Unabhängigkeit und Rechtsstaatlichkeit wird allerdings von Polizisten und Juristen aus der EU bzw. von UNO- Soldaten unterstützt und aufgebaut. Außerdem befindet sich eine US- Militärbasis mit ein paar tausend Mann im Kosovo.

Es gab also keine Einwände gegen den Staat Kosovo; der Westen wollte ja auch dort Fuß fassen. Weil sich jetzt Katalonien im Zuge eines Referendums von Spanien trennen und die Unabhängigkeit ausrufen will, ist hingegen der Teufel los. Sondereinheiten prügeln auf Abstimmungswillige und Demonstranten ein und verletzen hunderte von ihnen und das Referendum wird für ungültig erklärt. Ministerpräsident Rajoy verstieg sich sogar zur Behauptung, dass es gar kein Referendum gab. Die EU- Kommission wirkt peinlich- verlegen und sagt und tut gar nichts. Erst nach und nach kommt verhaltene Kritik an der Vorgangsweise der spanischen Regierung auf. Man merkt aber, dass ein unabhängiges Katalonien nicht erwünscht ist. Warum diese unterschiedliche Beurteilung? Durch einen unabhängigen Kosovo sollte Serbien geschwächt werden. Serbien hätte auch keinen US- Stützpunkt zugelassen. Serbien war (und ist) kein EU- Mitglied. Und ganz wichtig: Wenn die Abtrennung Kataloniens von Spanien akzeptiert werden würde, dann müsste eigentlich die Abtrennung der Krim von der Ukraine auch akzeptiert werden, denn die Vorgangsweise ist in beiden Fällen gleich. Das geht aber gar nicht, denn die Krim hat sich ja bekanntlich per Referendum wieder an Russland angeschlossen. Und außerdem könnten dann die griechischen Mazedonier, die Basken, die Südtiroler und wer weiß wer noch daherkommen und ebenfalls die Unabhängigkeit einfordern.

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