In Österreich gibt es bei den Flüchtlingen, Asylwerbern oder Migranten eine jährliche Obergrenze. Da zählen allerdings nicht alle, die kommen, die sich melden oder die aufgegriffen werden, sondern nur die „zugelassenen Fälle“. Und Zahlen sind und zählen ist ein schwieriges und ganz eigenes Kapitel, zumindest in dem Fall. Man erreicht auf wundersame Weise nie die Obergrenze. In Deutschland bemüht sich der bayerische (Noch-) Ministerpräsident Seehofer von der CSU seit langer Zeit vergeblich um eine Obergrenze, obwohl er diese auch mit politischen Drohungen bei der Kanzlerin Merkel einforderte. Das brachte aber nichts; der „bayerische Löwe“ mutierte jedes Mal zu Merkels Bettvorleger. Nach dem für Seehofers CSU und Merkels CDU mehr als schlechtem Bundestags- Wahlergebnis probierte es Seehofer wieder. Immerhin forderten andere CSU- Politiker ebenfalls eine Obergrenze und es wurde auch seine Nachfolge angesprochen. Bei den Regierungsverhandlungen in Berlin wurde dieser schwierige Punkt abgehakt. Der erzielte Kompromiss war eine Schlappe für Seehofer: Der wankende bayerische Löwe musste nicht nur die Hosen hinunter lassen; die angeschlagene Kanzlerin hat sie ihm regelrecht ausgezogen. Es wurde nämlich eine „Obergrenze“ beschlossen, die nicht so genannt werden darf. Es wird von einem „Richtwert“ von 200.000 Menschen gesprochen, die aus humanitären Gründen aufgenommen werden dürfen und es gibt viele Ausnahmen. Es soll aber auch ein Einwanderungsgesetz für die legale Aufnahme von Fachkräften beschlossen werden. Vielleicht ist das als Ausgleich gedacht, falls wegen des „Richtwertes“ doch weniger Asylwerber oder Zuwanderer kommen sollten. Der Verlierer ist also eindeutig Ministerpräsident Seehofer, aber seine Tage sind ohnehin gezählt. Man kann den Deutschen jedenfalls nur wünschen, dass mit dem zu schaffenden Gesetz nicht jene Fachkräfte geholt werden, von denen häufig in den Medien berichtet wird.

Die echten Fachleute, ganz besonders jene mit Studium und Berufserfahrung, fehlen jedenfalls in ihren Herkunftsländern. Auf einer Balkanreise erklärten in drei Staaten die jeweiligen Reiseleiter ganz offen, dass ihr Land wegen der abgewanderten bzw. abgeworbenen Fachkräfte, z. B. im medizinischen Bereich, schon Probleme hätte, das Niveau zu halten. Und diese Fachkräfte gehen großteils nach Deutschland.

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