Eines muss man unseren Kandidaten für die Wahl lassen: Sie kämpfen bis zur letzten Minute. Es gibt kein resignieren wegen schlechter Umfragewerte, aber auch kein zurücklehnen wegen eines vermeintlich sicheren Vorsprunges. Obwohl der Wahlkampf am Freitag offiziell beendet wurde, sagte Kanzler Kern am Abend noch kämpferisch: “Wir wollen das gewinnen, ihr werdet das sehen… Wenn wir angerempelt werden, richten wir uns auf”. Beim Sager: “Wir wollen, dass diese Erfolgsstory fortgesetzt wird”, ließ Kern allerdings offen, welche Story das sein soll. Er zeigte sich aber auch ungewohnt offen und ehrlich bei der Migration. Multikulti sei eine Art Traum gewesen, der geplatzt sei, meinte er und gibt ganz offen zu: “Die Integration hat nicht funktioniert”. Vielleicht kann er mit dieser späten Einsicht noch ein paar Stimmen von der FPÖ abstauben.
  Aber nicht nur Kern ist noch aktiv. Kurz sagt, obwohl er sich ebenfalls als nächster Kanzler sieht: “Ich bin keiner, der den Umfragen vertraut” und weiter: Es werde “knapper, als viele meinen”.Auch er kämpft bis zuletzt, will mit seiner skeptischen Einschätzung noch diese und jene Stimme holen. Auch Strache hat einen kraftvollen Endspurt hingelegt und versucht noch alles zu mobilisieren; er sagte: “… Vielleicht gelingt es uns sogar, gemeinsam die Überraschung zu schaffen”. Es sei “einiges möglich”. Ja, alle rackern bis zum Schluss bis zum Umfallen. Da machen auch Peter Pilz, die NEOS und die Grünen keine Ausnahme. Bei den einen geht es um den Kanzler und den ersten Platz, bei den anderen um den Verbleib bzw. um den Einzug ins Parlament. Und für alle heißt es dieses Mal wie bei der Lotto- Werbung: “Alles ist möglich”. Daumen hoch oder Daumen hinunter liegen knapp beieinander. Zwei Dinge werden neben dem Wahlergebnis selbst besonders interessant: erstens; wie wird das “gute” Ausland dieses Mal auf eine mögliche FPÖ- Regierungsbeteiligung reagieren? Und zweitens; werden auch bei dieser Wahl wieder außergewöhnlich viele Insassen von Alten- und Pflegeheimen sowie Langzeitpatienten in Krankenhäusern per Briefwahl abstimmen? Eigentlich wird noch etwas interessant: Der Gesichtsausdruck des Bundespräsidenten im Falle einer FPÖ- Regierungsbeteiligung, wenn er einen angehenden FPÖ- Minister angeloben soll. Aber bis dahin vergeht noch viel Zeit.
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