Die EU- Parlamentarierinnen und Parlamentarier haben sich bislang in ihren Heimatländern gerne als leuchtendes Beispiel von Moral und Ehre und politischer Korrektheit, also als Ehrenmenschen und moralische Stützen der Gesellschaft ohne Fehl und Tadel präsentiert. Pure Heuchelei, wie sich jetzt herausgestellt hat, denn schwere sexuelle Belästigung gehört dort anscheinend bei Männern wie bei Frauen zum täglichen Geschäft. Es stimmt also zumindest in dem Punkt, dass dort Gleichberechtigung gelebt wird. Laut einem Zeitungsbericht haben sich bis zum 24. 10. schon 87 männliche und weibliche Opfer der Übergriffe gemeldet. Da muss man sich schon fragen, welche Typen da ins EU- Parlament entsandt bzw. gewählt wurden. Eine Schande für die Institution EU- Parlament, aber auch für die übergeordneten EU- Einrichtungen und die Nationalstaaten, denen dieses charakterlose Pack angehört.

Eine Kommentatorin von „Politico“ schreibt auch, Brüssel kann die sexuellen Übergriffe nicht unter den Teppich kehren (Brussels can´t brush sexual harassment under the carpet“) und da hat sie natürlich recht; da müssen Konsequenzen gezogen werden. Da zeigt sich aber die Ohnmacht bzw. der Versuch, die Suppe, wenn schon nicht anders möglich, nur auf kleiner Flamme köcheln zu lassen. Das zeigt sich darin, dass es nach dem Willen von EU- Parlamentspräsident Tajani keine externe Untersuchung geben wird. Im realen Leben, außerhalb des EU- Dunstkreises, ist schwere sexuelle Belästigung vor dem Gesetz ein strafbarer Tatbestand und hier soll das nach dem Willen einiger selbsternannter „Halbgötter“ vielleicht intern geregelt werden; mit Abmahnung oder Versetzung oder so? Bilden sich diese Leute wirklich ein, über dem Gesetz zu stehen? Auf EU- Ebene seien ja tatsächlich keine strafrechtlichen Konsequenzen möglich, wird erklärt. Da ist man also wieder auf die Justiz der Nationalstaaten angewiesen. Die man so gerne abschaffen möchte.

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