Der Westen und somit selbstverständlich auch die EU- Kommission hat im Krieg gegen den IS immer auf die irakischen Kurden gesetzt und sie unterstützt. Diese wurden auch ermuntert in ihren Bemühungen, statt einer weitgehenden Autonomie die Unabhängigkeit zu erlangen. Ende September gab es ein Referendum, bei dem sich eine überwältigende Mehrheit der Kurden für die Unabhängigkeit aussprach. Allerdings nahm das die Regierung in Bagdad nicht so ohne weiteres hin, beanspruchten die Kurden doch nicht nur die Autonomiegebiete, sondern zusätzlich große Gebiete mit besonders ertragreichen Ölfeldern. Diese Gebiete sollten wohl die versprochene „Kriegsbeute“ sein. Die irakische Armee ging aber gegen die Kurden vor und holte sich alle Gebiete bis auf die Autonome Region zurück. Als momentan letztes Kapitel um die Unabhängigkeit der Kurden im Nordirak ist jetzt nach Rücktrittsforderungen wegen der Gebietsverluste der Kurden- Präsident zurückgetreten. Die Kurden im Nordirak sind den Verlockungen und Versprechungen des Westens erlegen und haben verloren. Es gab ja auch schon Pläne zur Aufteilung Syriens nach dem geplanten Sturz von Präsident Assad und auch da sollten die Kurden mit einem eigenen Gebiet bedacht werden. Auch dieser Plan dürfte trotz Unterstützung durch den Westen nicht aufgehen. Die Zeit ist ganz einfach noch nicht reif für einen Kurdenstaat. Der Widerstand dagegen ist zu groß, da das Siedlungsgebiet der Kurden mehrere Staaten umfasst und bei Ausrufung der Unabhängigkeit der Kurden in einem Staat ein Flächenbrand befürchtet wird.

Das Selbstbestimmungsrecht der irakischen Kurden wurde also von der EU wohlwollend unterstützt. Den Katalanen, die ebenfalls ihr Selbstbestimmungsrecht nutzen wollen, wird die Unterstützung verweigert. Der EU- Parlamentspräsident Tajani geht sogar so weit, Barcelona zu warnen und in einem Interview zu sagen: „Niemand in Europa wird Katalonien als unabhängigen Staat anerkennen. Die Sezession von Spanien bedeutet die Sezession von Europa…“ Das ist aber auch eine Warnung an die einzelnen EU- Staaten, sich eine Anerkennung Kataloniens bei einer offiziellen Unabhängigkeit sehr gut zu überlegen. Die irakischen Kurden und die spanischen Katalanen wollen also das Gleiche, aber es wird von der EU grundverschieden bewertet. Dass die EU solche Fragen nach Gutdünken bewertet, ist aber nicht neu. Das war auch bei der vom Westen geförderten Sezession des Kosovo von Serbien so. Als damals Belgrad die Unabhängigkeit des Kosovo verhindern wollte, wurde Jugoslawien bzw. Serbien 78 Tage lang von der NATO bombardiert. Zu Anfragen aus Serbien bezüglich Katalonien und Kosovo heißt es aus Brüssel heute, der Kosovo sei ein Sonderfall gewesen, den man mit katalanischen und anderen Unabhängigkeitsbestrebungen nicht vergleichen könne.

Den Katalanen wird sie also verweigert, beim Kosovo wurde sie herbeigebombt. Den irakischen Kurden hat man sie ebenfalls versprochen, aber dieses Mal hat es nicht geklappt. Wenn die Schotten wieder einmal abstimmen, wird man sie unterstützen, weil dadurch das britische Königreich geschwächt wird und weil Großbritannien dann kein EU- Land mehr ist. Die per Referendum erfolgte Abtrennung der Krim von der Ukraine und ihr erwünschter Anschluss an Russland wiederum wurde verurteilt und führte zu Sanktionen gegen Russland.

Es wird also eingestuft, wie es gerade in den Kram passt.

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