Als im Frühjahr in Frankreich das Ergebnis der Präsidentschaftswahl feststand, ging ein hörbarer Seufzer der Erleichterung durch Europa, ja durch die ganze sogenannte freie Welt. Der Sieger hieß Emmanuel Macron und er war somit der neue französische Präsident. Den Franzosen wurde gratuliert, weil sie sich für Weltoffenheit, für ein vereinigtes Europa, für freundschaftliche Beziehungen zu ihren Nachbarn entschieden hatten, indem sie den ehemaligen Wirtschaftsminister Macron zum Präsidenten wählten und der Rechts- Kandidatin Marine Le Pen eine Abfuhr erteilten. Ja, die Politiker des linken und des EU- freundlichen Lagers überboten sich in Superlativen zum Wahlausgang und zu Macron. Das Schreckgespenst einer Präsidentin Le Pen war abgewehrt. In seltener Einigkeit haben alle politischen Kräfte an einem Strang gezogen, nur um sie zu verhindern; es gab die sonderbarsten Allianzen und Macron wurde als die neue Lichtgestalt gesehen. Die Arbeitnehmer setzten genau so ihre Hoffnungen auf ihn wie die Wirtschaftsvertreter und alle waren sich einig: Es muß besser werden, weil es nur besser werden kann. Die Umfragewerte des Vorgängers Holande und seiner Partei waren total im Keller; Macron wurde hochgejubelt.

Bald kamen aber die ersten Zweifel; seine Forderungen und Entscheidungen lösten Unbehagen aus. Kurz nach der Wahl verlor Macron mehrere Kabinettsmitglieder, weil es gegen sie Ermittlungen der Justiz gab. Seine Umfragewerte waren nach ein paar Monaten genau so schlecht wie jene seines unbeliebten Vorgängers und Massendemonstrationen gegen seine Politik und gegen seine Pläne nehmen zu. Die Arbeiter fühlen sich von ihm im Stich gelassen und verraten. Jetzt kam der nächste Tiefschlag. 100 seiner Mitstreiter und Unterstützer sind aus seiner Bewegung ausgetreten. Ihre Liste der Vorwürfe gegen Macron ist lang. Sie werfen ihm vor, eine „Herrschaft der Eliten“ durchgesetzt zu haben. Es ist von „Arroganz“ die Rede, von „Drohungen“ und „Einschüchterungsversuchen“ gegenüber Mitgliedern seiner Bewegung. Auch von autoritären Stukturen wie unter absolutistischen Herrschern wird gesprochen und von einem „Personenkult“.

Mit der „Götterdämmerung“ kam auch der Katzenjammer.

Advertisements