Nach wochenlangen Verhandlungen und dem Überziehen mehrerer selbst gesetzter Zeitlimits sind die Koalitionsverhandlungen in Deutschland jetzt endgültig gescheitert. Jeder Parteienvertreter beteuert jetzt, eine Einigung wäre möglich gewesen, wenn die anderen sich ein wenig bewegt hätten. Wie es jetzt weitergehen soll, kann im Moment kein Mensch sagen. Läuft es auf Neuwahlen hinaus? Kanzlerin Merkel kann ja mit ihrer CDU nicht einmal eine Minderheitsregierung mit der Schwesterpartei CSU unter dem bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer riskieren, da der „bayerische Löwe“ ebenfalls angezählt ist und somit vor der Wahl steht, zurückzutreten oder Forderungen an Merkels CDU zu stellen. Mit wem oder wie soll es neue Koalitionsverhandlungen geben? Merkel hat zu hoch gepokert und verloren. Vielleicht aber kommt jetzt als neue Koalitionsvariante wieder die alte Koalitionsvariante von CDU/ CSU mit der SPD ins Spiel; allerdings ohne SPD- Chef Martin Schulz, der eine Regierungsbeteiligung als Juniorpartner unter Merkel strikt abgelehnt hat. Der müsste halt wieder zurück nach Brüssel „entsorgt“ werden. Spätestens bei den Koalitionsverhandlungen hat sich herausgestellt, dass die Massenmigration und der Familiennnachzug sehr wohl ein Thema ist und der „Wir schaffen das“- Sager alles andere als eine belanglose Floskel. Schließlich sind die Verhandlungen nicht nur, aber doch hauptsächlich an dieser Frage gescheitert. Ein Scheitern zwischen den so gegensätzlichen Auffassungen, speziell in der Flüchtlingsfrage, war eigentlich fast vorhersehbar.

In Österreich wird ja auch schon seit Wochen zwischen ÖVP und FPÖ über eine Regierung verhandelt. Abgesehen von den sehr entbehrlichen Zwischenrufen des Bundespräsidenten laufen diese Verhandlungen sehr ruhig und harmonisch ab, wenn man den spärlichen Kommentaren dazu glauben will. Aber lieber vorher gut und gründlich verhandeln, als hinterher streiten und nachbessern. Ein Abbruch der Verhandlungen so wie in Deutschland wäre jedenfalls das Letzte, was Österreich braucht. Bei den österreichischen Verhandlungspartnern gibt es aber diese grundsätzlichen Auffassungsunterschiede nicht, die in Deutschland zum Scheitern führten.

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