Einen Namen hat sich der scheidende Finanzminister Schelling in der Privatwirtschaft gemacht, wo er im Aufsichtsrat oder Vorstand vieler Unternehmen war. Er war aber auch in der Chefetage von staatsnahen Unternehmen tätig. In der Politik war er ein Spätstarter; wurde aber im September 2014 für viele überraschend als Finanzminister angelobt. Da holte ihn dann seine Vergangenheit ein. Ein großes Möbelhaus hat als Steuersparmodell eine Tochterfirma im Steuerparadies Malta gegründet und das war, während er als Geschäftsführer und Aufsichtsrat für dieses Unternehmen tätig war. Das brachte ihm Kritik ein, aber man kann das auch positiv sehen. Er wusste dadurch im Detail Bescheid, wie das mit Steuersparmodellen abläuft und für einen Finanzminister ist ein solches Wissen sicher hilfreich, um Steuerparadiese bekämpfen zu können. Wenn das gewollt ist.

In letzter Zeit schien es, als würde Schelling auf der politischen Leiter noch eine Stufe höher steigen; er wurde schon gehandelt als neuer Chef der Eurogruppe und wäre somit der Nachfolger von Jeroen Dijsselbloem geworden. Jetzt ist aber fix, dass er diesen Posten nicht bekommen wird, denn die Europäische Volkspartei verzichtet offiziell auf einen eigenen Kandidaten. Schelling ist somit aus dem Rennen und er hat auch schon eine Entscheidung für seine persönliche Zukunft getroffen. Er sagte, er werde der neuen österreichischen Regierung nicht mehr angehören und künftig auch keine politische Funktion mehr ausüben.

Mit Schelling geht der nächste österreichische Finanzminister, der es nicht schaffte, das schon „traditionelle“ Budgetdefizit in den Griff zu kriegen. Aber dieses Budgetdefizit gehört anscheinend seit Jahrzehnten zur österreichischen Kultur. Selbst Einnahmenrekorde bei Steuern, so wie in den letzten Jahren, konnten daran nichts ändern. Unsere verantwortungsvollen und hochintelligenten Volksvertreter fanden immer wieder Möglichkeiten, mehr auszugeben als einzunehmen.

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