Das UN- Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ( offizielle Bezeichnung: Internationaler Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien) hat seine Pflicht getan; es lief jetzt angeblich der letzte Prozess und da gab es ein dramatisches Finale: Einer der sechs angeklagten bosnischen Kroaten, Slobodan Praljak, beging vor den Richtern Selbstmord mit einem Fläschchen Gift. Nachdem das Gericht seine Haftstrafe von 20 Jahren bestätigt hatte, stand der Verurteilte auf, und sagte zu den Richtern: „Ich bin kein Kriegsverbrecher. Ich lehne dieses Urteil ab“. Dann trank er ein Fläschchen Gift, sackte zusammen und verstarb später in einem Krankenhaus. Zu seiner Äußerung, bevor er das Gift trank, gibt es in den Medien verschieden übersetzte Varianten.

Dem Verurteilten wurde u. a. vorgeworfen, im Jahr 1993 die Zerstörung der Brücke von Mostar angeordnet zu haben. Nach einer Unterbrechung wegen des tragischen Vorfalles wurde der Prozess am Nachmittag fortgesetzt. Erst vor ein paar Tagen wurde von diesem UN- Kriegsverbrechertribunal der ehemalige Militärchef der Serben in Bosnien, Ratko Mladic, wegen Kriegsverbrechen während des Bosnienkrieges 1992 bis 1995 zu lebenslanger Haft verurteilt. Auch der frühere Präsident des ehemaligen Jugoslawiens, Slobodan Milosevic, stand in Den Haag vor Gericht. Er starb 2006 vor Ende seines Prozesses in seiner Gefängniszelle. Es hieß, er sei einem Herzinfarkt erlegen, aber nicht alle glauben an diese Todesursache. Es sind auffallend viele Angeklagte, nämlich knapp 20, vor diesem Gericht vor Prozessbeginn oder auch vor Prozessende überraschend verstorben.

Der ehemalige Präsident Kroatiens, Franjo Tudjman, wurde vom Internationalen Strafgerichtshof nie angeklagt, obwohl das Gericht in Den Haag bestätigt hat, dass die jetzt angeklagten bosnischen Kroaten gemeinsam an einem verbrecherischen Vorhaben unter Führung von Tudjman beteiligt waren. Der Strafgerichtshof war nur für das ehemalige Jugoslawien und dessen Kriege und Kriegsverbrecher zuständig. Es hätten aber viele andere Personen ebenfalls vor Gericht gestellt werden müssen. Aber der Sieger bestimmt die Regeln.

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