Sicherlich ganz zufällig wurde kurz vor der niederösterreichischen Landtagswahl die Öffentlichkeit darüber informiert, dass der Spitzenkandidat der NÖ- FPÖ in einen antijüdischen Liederbuch- Skandal einer Burschenschaft verwickelt war. Aufdecker war der Chefredakteur eines Nischenproduktes der links- gutmenschlichen Presse, welches dadurch seine Bekanntheit mit Unterstützung durch den ORF etwas steigern konnte. Jetzt kommt, zeitlich gut abgestimmt vor der Tiroler Landtagswahl, der nächste Liederbuch- Skandal einer Wiener FPÖ- Burschenschaft und der Aufdecker ist, richtig geraten, wieder der Chefredakteur des unbekannten Blattes wie im NÖ- Fall. So wie in Niederösterreich wird auch in Tirol die FPÖ in ihrem Höhenflug ein wenig eingebremst werden. Man kann sich jetzt fragen, ob die FPÖ nach dem NÖ- Fall nichts dazu gelernt hat oder es nicht für notwendig erachtete, ihre Bücher durchzublättern oder nicht damit rechnete, aufgeklatscht zu werden oder ob ihr eine Falle gestellt wurde. Aber auch, warum die Journalisten bekannter Zeitungen nicht drauf gekommen sind oder ob es doch nicht so schlimm ist. Die Wogen gehen jedenfalls hoch.

Lieder und Liederbücher bergen jedenfalls in jeder Hinsicht ein großes Gefahrenpotential. Die Älteren unter uns erinnern sich gewiss noch dunkel an ihre Bundesheer- Zeit, in der es noch „Marsch mit Gesang“ gab und natürlich an das dazu benötigte Liederbuch. Wie viele von den damals mehr laut als schön gesungenen Liedern sind heute noch aktuell bzw. noch zulässig; wie viele sind der politisch korrekten Zensur zum Opfer gefallen? (Das trifft, genau genommen, auch auf viele Witze, wie z. B. die Burgenländer- Witze, die auf jede andere Region auch angewendet werden können, oder auch auf die Blondinen- Witze zu) Wer da meint, das gibt es nicht, der irrt. Immerhin war Heino, der blonde Sänger mit der schwarzen Brille, schon in der DDR mit seinen Volksliedern verboten. Volkslieder können gefährlich sein, nicht nur in der DDR, wie man auch bei den Bundesheer- Liedern gesehen hat. Das sollten vielleicht auch die ländlichen Gesangsvereine und Chöre in Betracht ziehen und ihr Repertoire einmal von einer politisch korrekten Kommission auf Unbedenklichkeit überprüfen lassen. In Zeiten wie diesen werden ja sogar Lederhosen, Dirndlkleid oder geflochtene Zöpfe als Frisur von verschiedenen Gruppierungen als bedenklich, beinahe ewiggestrig oder jedenfalls rechtsverdächtig angesehen. Für fremde Trachten und fremdes Liedgut gilt das natürlich nicht; das wird als kulturelle Bereicherung, als Zeichen von „Diversity“, als Zeichen einer offenen Gesellschaft gesehen.

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