In Österreich droht ein Gerichtsfall zu einer fast unendlichen – und für die Republik Österreich sehr teuren – Geschichte zu werden. Ein „wegen eines schwerwiegenden Suchtgiftdeliktes“ im Jahr 2004 mit einem Aufenthaltsverbot belegter Mann aus Gambia sollte 2006 abgeschoben werden. Der Schwarze wehrte sich gegen die Abschiebung, sodass sich der Pilot weigerte, ihn an Bord zu lassen. Nach der erfolgreich verhinderten Abschiebung soll der Schubhäftling von den Polizisten schwer misshandelt worden sein. Die Polizisten werden jedenfalls trotz vieler Widersprüchlichkeiten schuldig gesprochen und einige Jahre später werden drei Beamte aus dem Polizeidienst entfernt. 2012 wird das Aufenthaltsverbot des Gambiers aufgehoben. Vielleicht spielte dabei eine Rolle, dass er mit einer Wienerin verheiratet war und zwei Kinder hatte. Im selben Jahr forderte sein Anwalt von der Republik 750.000 Euro Schmerzensgeld, später bringt er eine Amtshaftungsklage ein und fordert 384.000 Euro Schadenersatz und eine monatliche Rente von 1.000 Euro. 2013 waren aber schon 110.000 Euro an den Gambier überwiesen worden, obwohl dafür ein gültiger Rechtstitel fehlte. Verfahrens- und Anwaltskosten zahlte übrigens auch die Republik Österreich. Anfang 2016 wurde die Schadensersatzforderung des Herrn Jassey von 384.000 abgelehnt, zumindest in erster Instanz. Auch die geforderte Rente wegen „Berufsunfähigkeit“ wurde abgewiesen, da er ja eigentlich nie gearbeitet hatte. Pech für den Herrn, denn er war ja „nicht arbeitsfähig“, das heißt aber auch, dass er all die Jahre nie was von Arbeit gehalten hat. Er dürfte einzig in seiner Zeit als Häftling gearbeitet haben. Wofür Herr Jassey, der auch ein paar falsche Identitäten besaß, wie man nachlesen kann, die 110.000 Euro tatsächlich erhielt, wurde nie so richtig gesagt. Im Internet findet man zu dieser Geschichte jedenfalls sehr viele sehr aufschlussreiche Artikel.

Jetzt hätte also wieder einmal über die Entschädigung des ehemaligen Schubhäftlings vor dem Landesgericht für Zivilrechtssachen verhandelt werden sollen, aber der Kläger musste sich ins Spital begeben. Der für ihn tätige Staranwalt sagte: „Er leidet an Angstzuständen. Die bevorstehende neuerliche Konfrontation mit seinen Peinigern hat ihm derart zugesetzt, dass er sich in ein Spital begeben musste“. Die Verhandlung wurde auf Mai verschoben. Bis dahin wird sich der Gesundheitszustand des werten Herrn wohl gebessert haben. Nach einem neuen psychiatrischen Gutachten stehen die Chancen des Herrn angeblich gar nicht so schlecht, doch noch zu Schadenersatz und womöglich auch noch zu einer Rente zu kommen. Immerhin zahlt ihm ja die Republik Österreich neben den ganzen Kosten auch einen der besten Rechtsanwälte. Wenn er das Geld wirklich bekommen sollte, dann zahlte sich widerstand gegen die Staatsgewalt doch aus. Und von den ganzen Widersprüchlichkeiten rund um die missglückte Abschiebung und die Verletzungen und die entlassenen Polizisten spricht niemand mehr. Und auch nicht mehr darüber, dass der Herr in all den vielen Jahren, die er schon in Österreich lebt, angeblich nicht einen einzigen Tag gearbeitet hat, sondern vom Staat gelebt hat. Ob mit der Verhandlung im Mai unter diese Geschichte wirklich ein Schlussstrich gezogen wird oder ob da noch was nachkommt, neue Verhandlungen oder neue Forderungen, kann niemand sagen.

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