Gibt es keine Gedenkveranstaltungen mehr, ist alles überstanden? Dabei ist doch der 8. Mai jener Tag, an dem im Jahr 1945vom deutschen Generalfeldmarschall Keitel die Bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht unterzeichnet wurde, was das erhoffte Ende des Zweiten Weltkrieges bedeutete; zumindest in Europa. Die Japaner kämpften ja weiter, bis die USA über Hiroshima und Nagasaki Atombomben abwarfen. Ja, es gab natürlich einen Festakt in Wien anlässlich des 8. Mai 1945; das „Fest der Freude“. Es steht für das Ende des Krieges und für die Befreiung durch die Alliierten vom Nationalsozialismus. Und anders als bei der polarisierenden Gedenkfeier zur Befreiung des KZ Mauthausen waren beim „Fest der Freude“ auch FPÖ- Politiker dabei. Beim Festakt zur Befreiung Mauthausens wäre die Teilnahme von FPÖ- Politikern für die Organisatoren eine „erneute Demütigung“ jener Menschen gewesen, die die furchtbaren Verbrechen in einem österreichischen KZ durch die Nazis erdulden mussten. Dieser Festakt hinterließ in TV- Diskussionen und auch in Zeitungsartikeln nicht unbedingt den besten Eindruck. Man hatte irgendwie den Eindruck, dass da selbstherrliche Moralapostel das Sagen hatten, die mit einer für sich in Anspruch genommenen moralischen Überlegenheit auf ihre ideologischen Gegner einprügelten und dabei übersahen, dass die Grenze zum Pharisäertum schon bedenklich nahe oder sogar schon überschritten war. Das einzige, was nicht direkt ausgesprochen, aber zwischen den Worten herauszuhören war, war die Sippenhaftung nach dem Motto: „Ihr seid heute noch schuld; ihr seid immer noch Nazis und Antisemiten“.

Dass es beim „Fest der Freude“ am Wiener Heldenplatz Dienstag nachmittags offener und versöhnlicher zuging, gab Grund zur Freude und Hoffnung. Ein absoluter Lichtblick war der Auftritt des Ausnahmemenschen und Künstlers Arik Brauer, der als Ehrengast dabei war. Brauer, ein Jude und Kriegsüberlebender aus Wien, schilderte in seiner Rede die Schrecken der damaligen Zeit. er sprach von Mördern und Sadisten, von einer Zeit der Lügner und Vernaderer. Die heutige Generation kann sich gewiss nicht vorstellen, wie es in den 30er und 40er Jahren war, will vielleicht auch nicht wahrhaben, dass es aus dem System von Angst und Schrecken kaum ein Entkommen gab. Viele Leute fragen heute ganz naiv, warum damals niemand gegen dieses System aufgestanden ist.

Beim „Fest der Freude“ am Dienstag Abend war von offen und versöhnlich schon wieder keine Rede mehr, waren die Organisatoren doch mehr oder weniger ident mit denen des Mauthausen- Festakts. FPÖ- Politiker waren ausgeschlossen, eine Aussöhnung stehe nicht zur Debatte, hieß es. Ist es da ein Wunder, wenn viele Leute von solchen Festakten die Schnauze voll haben, nichts mehr davon hören wollen? Wenn sie sich sagen, diese Vorwürfe und Beschuldigungen können wir uns in tausend Jahren auch noch anhören. Weil es weiterhin so sein muss, wie es ist. Wenn sie nichts mehr hören wollen von Gedenktagen, die ritualhafte Routine geworden sind.

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