Selten wurde über ein Treffen schon im Vorfeld so viel berichtet, vermutet, hinein interpretiert und spekuliert wie über das Treffen zwischen US- Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong- un in einem Nobelhotel in Singapur. Ein Treffen der Superlative sollte es werden und ist es möglicherweise auch geworden. Es war das erste Mal, dass sich ein US- Präsident mit einem nordkoreanischen Staatschef getroffen hat. Apropos Staatschef: Ist Kim Jong- un Präsident seines Landes oder Premierminister oder Ministerpräsident oder wird er ganz einfach, weil man es nicht besser weiß, als Staatschef oder als Diktator bezeichnet? Die Beiden haben sich auch super verstanden, hatte man von TV- Berichten den Eindruck. Ist ja auch fast ein Superlativ. Die Zeitspanne vor dem Treffen, also von der Anbahnung bis zum Treffen, kann man auf beiden Seiten auf drei Wörter reduzieren: Drohen, beschimpfen, loben. Nordkorea war ja aus US- Sicht ein „Schurkenstaat“ und Stein des Anstoßes für die USA waren die zunehmenden und allem Anschein nach auch erfolgreichen Atomtests der Nordkoreaner. Kim sprach ja davon, dass er mit seinen Atomraketen die USA erreichen kann. Trump drohte die völlige Vernichtung Nordkoreas an. Beide Führer prahlten mit ihren Atomknöpfen. Beide beschimpften sich. Trump sagte das Treffen ab, dann hielt er es wieder für möglich; das Rätselraten ging weiter. Beim Treffen gab es dann gegenseitiges Lob im Übermaß. Kim sprach von einem Stopp seines Atomprogramms, obwohl es eine Lebensversicherung für sein Land ist, und sprengte angeblich ein Atomtestgelände oder Startvorrichtungen für Atomraketen. Als Gegenleistung wurde auf einen Verzicht der jährlichen gemeinsamen Militärmanöver von US- Truppen und Südkorea in Aussicht gestellt. Die massiven Sanktionen gegen Nordkorea bleiben aber weiterhin aufrecht.

Was bei diesem Treffen beinahe gänzlich ausgeblendet wird, ist der Anteil Südkoreas. Präsident Moon Jae- in hat sich mit Kim Jong- un an der Demarkationslinie getroffen, hat mit den Amerikanern gesprochen und ein Treffen befürwortet. Und hat sich jetzt im Hintergrund gehalten. Mit einer Portion Optimismus kann er jetzt damit rechnen, dass es in doch absehbarer Zeit zu einem Friedensvertrag zwischen den beiden koreanischen Staaten kommt, der den de- facto- Waffenstillstand aus der Zeit des Koreakrieges beendet. An eine Wiedervereinigung zu denken, ist allerdings noch eine Utopie. Auch Japan kann jetzt wieder ruhiger leben, denn dieser Inselstaat vor der Haustür Nordkoreas fühlte sich ja angeblich zunehmend von nordkoreanischen Raketen bedroht und der Rest der Welt kann aufatmen, weil ein potentieller Atomschlag der Amerikaner gegen Nordkorea vom Tisch sein dürfte. Obwohl es noch keine brauchbaren Verhandlungsergebnisse gibt, wird aber schon gerätselt, wer der Gewinner ist. Die einen meinen, Kim hätte alles bekommen, was er bekommen wollte. Die anderen meinen genau das selbe von Trump. Dabei gibt es jetzt nicht mehr als so was wie eine gemeinsame Erklärung.

Wenn es jetzt um künftige Verträge zwischen Nordkorea und den USA geht und um Vertragstreue, dann sollte man sich eines in Erinnerung rufen: Im Jahr 1994 sollte der damals schon eskalierende Atomstreit zwischen den beiden Staaten mit dem sogenannten Genfer Rahmenabkommen beigelegt und geregelt werden. In diesem bilateralen Vertrag gingen beide Seiten Verpflichtungen ein. Die Atombehörde IAEO bestätigte noch 1998, dass Nordkorea den Vertrag einhalte. Von den US- Präsidenten Clinton, Bush und Obama wurde der Vertrag aber gebrochen bzw. nie eingehalten und irgendwann fühlte sich auch Nordkorea nicht mehr daran gebunden. Man kann also nicht einfach sagen, der „irre Diktator“ habe die Welt bedroht, sondern Nordkorea hat sich abgesichert. Schließlich wurde Kim auch daran erinnert, was mit Gadaffi passierte und Kim weiß auch, was die USA im Koreakrieg in Nordkorea angerichtet haben.

Nordkorea und was vergessen wird:

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