Zwei Themen beherrschen momentan die österreichischen Medien und die Bevölkerung. Das sind einmal „die 11. und die 12. Stunde“, also der umstrittene 12- Stunden- Tag und die 60- Stunden- Woche und das ist zum anderen die EU mit ihren Problemen. Bei ersterem Thema dürften mittlerweile alle wissen, dass es da weniger um die Sache selbst, um die Arbeitszeit also, sondern mehr gegen die Regierung geht. Was da jetzt vehement von Gewerkschaft und Opposition bekämpft und lautstark und teils mit fragwürdigen Argumenten bestritten wird, ist ja in der realen Arbeitswelt ein alter Hut. Mir sind aus meinem Bekanntenkreis viele Fälle bekannt, wo von Baustellen regelmäßig am Donnerstag nach Hause gefahren wurde; der Freitag wurde „eingearbeitet“. Mir sind aber auch viele Fälle bekannt, wo das Gegenteil üblich war. Das betrifft verschiedene Baustellen und Firmen. Da wurden mehr als 60 Stunden gearbeitet, weil es aus verschiedensten Gründen nötig war und es funktionierte und es gab keinen Aufstand und den Leuten war es recht; es gab ja auch Geld dafür. Und es gab auch Betriebe, in denen z. B. auf Lieferungen gewartet wurde und wenn die kamen, hieß es: „Die müssen aufgearbeitet werden, wir machen heute bis halb acht. Wer ist dabei?“ Und fast alle waren dabei. Arbeitsbeginn war übrigens um sieben. Das gab es alles schon vor langer Zeit und mit dem Segen des Betriebsrates. Und mir ist ein Fall in Erinnerung, in dem ein hoher Gewerkschaftler in den Medien darüber sprach, dass seine Arbeitswoche 70 bis 80 Stunden lang sei. Also; ehrlich bleiben und keinen Aufstand machen. Sorgt dafür, dass die Leute für ihre Arbeit auch ihr Geld bekommen.

Dass die EU, wie eingangs erwähnt, zur Zeit in einer tiefen Krise steckt, ist allgemein bekannt. Es ist auch bekannt, dass diese EU- Krise ausgelöst wurde durch die ungelösten Asyl- bzw. Migrationsprobleme, die zurückgehen auf den Wahnsinn vom Herbst 2015, wofür in erster Linie (aber nicht nur) die deutsche Kanzlerin Merkel verantwortlich ist. Merkel mit ihrem Starrsinn in dieser Frage ist verantwortlich für die Blockbildung innerhalb der EU. Eine hilf- und ratlose EU- Kommission lässt Merkel gewähren (vielleicht verfolgen Kommission und Merkel aber auch ein gemeinsames Ziel). Ein Teil der EU- Nationalstaaten stellt sich offen gegen Merkels Pläne, ein Teil verweigert ihr still und leise die Unterstützung. Auf ihrer Linie ist fast niemand in der EU und gerade in Deutschland steht es vor einer Zerreißprobe. Der Regierungspartner CSU stellt ihr wieder einmal ein Ultimatum, fordert fast ihren Kopf. Es schaut aus, als hätte Merkel ausgedient. Es werden Stimmen laut, die einen Zerfall der EU befürchten und den Grund dafür in der ungelösten Asyl- und Migrationsfrage sehen. Einige Optimisten hoffen auf Klärung beim kommenden Sondergipfel. Aber nur Optimisten.

Die Flüchtlingskrise ist zwar nicht das einzige Problem in der EU, aber das aktuellste und vermutlich das mit der größten Sprengkraft. Es gibt ja auch noch das Problem mit dem Euro, obwohl das momentan in den Hintergrund gedrängt wurde. Die Anzeichen einer neuen Eurokrise sind nicht zu übersehen; viele behaupten sogar, die Eurokrise wäre nie beendet gewesen. Die Anleihenkäufe der EZB in Billionen- Größenordnung haben die Probleme nur hinausgeschoben, Staaten wie z. B. Italien sind überschuldet, große Unternehmen haben Finanzprobleme, der Wirtschaftsboom lässt nach. Und auch beim Euro hat Merkel ihre Finger mit drin, meist gemeinsam mit Frankreichs Präsident Macron. Ein eigenes, gemeinsames Budget für die Eurozone fordern die Beiden. Das wird von den Eurostaaten mehrheitlich abgelehnt. Eine Vergemeinschaftung der Schulden wird angestrebt. Das ist aber auch nur im Interesse der stark verschuldeten Staaten wie z. B. Frankreich. Dann gibt es da noch das spezielle Griechenland- Schuldenproblem. Das ist ja noch lange nicht gelöst, sondern wird jetzt nur in die Zukunft verschoben nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn. Für manche Länder war (und ist) der Euro eben eine Zwangsjacke, aus der es kein Entkommen gibt.

Die Gründerväter der heutigen EU konnten sich wahrscheinlich nicht vorstellen, zu welchem Monster sie sich entwickeln kann. Vielleicht bewirkt aber die jetzige Krise, dass sich die Politik besinnt, zu ihren Wurzeln zurückkehrt und die gemeinsamen Interessen auf die wirtschaftliche Stärke und Geschlossenheit reduziert. Aber darauf hofft man vermutlich vergebens; bei der heutigen Politik.

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