Polen liegt der EU- Kommission und auch einigen anderen EU- Staaten schwer im Magen und das, obwohl der jetzige Ratspräsident Tusk ein Pole ist. Die Polen sind widerspenstig. Sie wollten sogar eine zweite Amtszeit von Ratspräsident Tusk verhindern und stellten einen Gegenkandidaten auf, der die Ablehnung Tusks folgendermaßen begründete: „Ich akzeptiere es nicht, wenn jemand das eigene Land denunziert und Sanktionen gegen dieses unterstützt“. Da ging es vielleicht auch darum, dass der polnischen Regierung aus Brüssel der Vorwurf entgegenhallte, sie würde die Rechtsstaatlichkeit und die Unabhängigkeit der Gerichte abschaffen und das Land abdriften lassen in einen antidemokratischen Zustand. Deswegen hat Brüssel vor einem Jahr ein Vertragsverletzungsverfahren wegen der polnischen Justizreform eingeleitet und vor Kurzem noch eines wegen eines Gesetzes zum polnischen Obersten Gerichtshof. Polen verstoße damit gegen die EU- Grundrechtecharta, hieß es. Und da ist dann noch der schon lange schwelende Streit mit Brüssel in der Flüchtlingsfrage. Die EU- Kommission versuchte ja schon mehrmals, den Polen die Quotenflüchtlinge „aufs Auge zu drücken“. Polen akzeptierte aber weder Quoten bei Flüchtlingen noch muslimische Asylwerber. Nach den Terroranschlägen in Barcelona im letzten Jahr sagte der Chef des Nationalen Sicherheitsbüros in Polen: „Wir überzeugen uns am Beispiel der letzten Anschläge, dass es dort, wo eine große Menge an schlecht integrierten Muslimen lebt, eine natürliche Basis für Terroristen gibt… Ich sehe bei einer größeren Zahl von muslimischen Flüchtlingen einen Anstieg der Terrorgefahr“. Polen will gar nicht wissen, ob unter den großteils islamischen Asylwerbern/ Migranten für den Arbeitsmarkt interessante Fachleute dabei sind oder nicht. Da viele Polen den Verlockungen erlegen sind, z. B. in Großbritannien mehr zu verdienen als in der Heimat, kam es in Polen auch zu einem Arbeitskräftemangel. Die Polen holten sich fehlende Fachleute zum Teil aus der Ukraine oder aus Weißrussland, also aus dem gleichen Kulturkreis, aus christlich geprägten Ländern. Sie sparten sich die Probleme mit importierter Kriminalität, mit Integration und auch viel Geld für die Asylwerber/ Migranten. Das sind einige dicke Pluspunkte, von denen aber Brüssel nicht begeistert ist.

Jetzt kommt aber die nächste Aktion der polnischen Regierung, die für die EU- Kommission wie ein Schlag in die Magengrube wirken dürfte. Polen benötigt noch mehr Fachkräfte. Es werden aber nicht Afrikaner oder Afghanen oder Syrer genommen, wie es der Wunsch der EU- Kommission wäre. Nein, die polnische Regierung geht einen eigenen Weg und führt Verhandlungen mit der philippinischen Regierung über die Anwerbung von Arbeitskräften. Dabei wird auf die „kulturelle Nähe, insbesondere durch die katholische Konfession“ der beiden Länder verwiesen. Es sollen also ganz gezielt benötigte Fachkräfte nach Polen geholt werden. Ganz legal und korrekt als Zuwanderer und nicht als illegale Asylwerber, die plötzlich auf wundersame Weise zu Migranten mutieren, ob sie Fachkräfte sind oder nicht. Brüssel wird von dieser Aktion alles andere als begeistert sein, aber Polen erspart sich gewiss viele Probleme.

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