Schon seit Jahren wird über die Frage gestritten, ob das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat beim Menschen Krebs verursachen kann oder nicht. Es gibt eine Menge Gutachten, welche belegen, dass das Pflanzengift beim Menschen wahrscheinlich krebserregend ist und auch eine Menge Gutachten, welche das Gegenteil behaupten. Immerhin geht es da um einen viele Milliarden schweren Markt und das schlägt sich auch bei den Befürwortern nieder. Das sind einmal als Produzent der Monsanto- Konzern, der bekanntlich vom deutschen Chemie- Giganten Bayer aufgekauft wurde. Dann gibt es jede Menge Lobbyisten, viele EU- Abgeordnete, Vertreter der Agrarindustrie, mehr oder weniger auch die EU- Kommission und Repräsentanten von EU- Staaten, die gegen ein Verbot stimmten, als es um die Zulassungsverlängerung dieses Giftes in der EU ging. Die Gegner des Pflanzengiftes, welche nach wie vor ein generelles Verbot fordern, sind Konsumenten- und Umweltschützer, welche mit Gutachten und Unterschriftenaktionen ihr Ziel erreichen wollen. Zu den Befürwortern zählen auch die EFSA (European Food Safety), die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit und die ECHA, die Europäische Chemikalienagentur; beides sind EU- Behörden. Beiden Behörden wurde aber nachgewiesen, dass sie in Studien Krebsbefunde „übersehen“ haben. Die peinliche Rechtfertigung war, sie hätten „auf die statistischen Auswertungen in den Herstellerstudien vertraut“. Das heißt nichts anderes, als dass die EU- Behörden Studien der Produzenten entgegennahmen und als eigene Studien veröffentlichten.

Glyphosat bekam in der EU eine Verlängerung der Zulassung u. a. deswegen, weil der vorige deutsche Landwirtschaftsminister entgegen vorheriger Absprachen in der deutschen Regierung nicht dagegen stimmte. Jetzt sind aber zwei Dinge passiert, welche das Ende von Glyphosat einläuten könnten. Da ist einmal ein Gerichtsbeschluss in Brasilien, nach dem so lange keine neuen Produkte mit Glyphosat angemeldet werden dürfen und bestehende Zulassungen aufgehoben werden sollen, bis die Regierung eine endgültige Entscheidung trifft. Brasilien ist einer der größten Märkte für Roundup, dem bekanntesten Glyphosat- Produkt und das wird u. a. zur Behandlung von Gentech- Soja verwendet. Von diesen Sojabohnen werden ja jährlich Millionen von Tonnen in die EU geliefert. Die Kärntner Landesregierung plante übrigens ein Glyphosat- Verbot, welches von der EU- Kommission aber abgelehnt wurde. Man werde die Entscheidung Brüssels zur Kenntnis nehmen, hieß es wenig überraschend.

Und da ist zum anderen jetzt in den USA ein Gerichtsurteil gefällt worden, mit dem vermutlich fast niemand gerechnet hat. Ein Gericht hat den Chemie- und Agrarkonzern Monsanto zur Zahlung von 289 Millionen Dollar Schmerzensgeld an einen Krebskranken verurteilt. Ein Mann hatte geklagt, weil er an Krebs erkrankt ist und Unkrautgifte von Monsanto dafür verantwortlich macht. Der Konzern hat natürlich gegen das Urteil berufen. Ein US- Bundesrichter hat vor ein paar Wochen übrigens mehr als 400 weitere Klagen wegen Krebserkrankungen, möglicherweise durch Glyphosat, zugelassen.

 

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