Frankreichs Präsident Macron hat schon lange nichts mehr zu lachen. Nach seiner Wahl zum Präsidenten wurde er frenetisch bejubelt; nicht nur von einem Teil der Franzosen, sondern ganz besonders auch von von den EU- Häuptlingen. Es wurde ja ihm zugeschrieben, dass er die „rechte Gefahr“, nämlich eine Marine Le Pen vom Front National als Präsidentin abgewehrt hatte. Stimmte zwar nicht ganz, hörte sich aber gut an. Seine Reformpläne stießen aber auf massiven Widerstand bei der Bevölkerung, seine Bankervergangenheit wurde ihm zum Vorwurf gemacht, sein Regierungsstil wurde mit dem des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV verglichen. Frustrierend für ihn. Aus Mangel an Erfolg im eigenen Land versuchte er sich an der EU. Er wollte die EU reformieren und hatte dazu die deutsche Kanzlerin als Unterstützerin auserkoren. Doch auch das lief nicht wie geplant. Auch als globaler Umweltpolitiker war er bisher glücklos. Der unverbindliche Pariser Klimagipfel war alles. Irgendwann im Sommer gab es heuer den Skandal um seinen Leibwächter. Der hatte, gemeinsam mit einem Mitarbeiter der Regierungspartei, auf der Straße bei einer Demonstration einen Mann niedergeschlagen und eine junge Frau heftig attackiert. Sie trugen einen Polizeihelm und Ausrüstung, obwohl sie keine Polizisten waren. Der Skandal wurde zu einer Riesensache, als die Privilegien dieses Leibwächters von Macron bekannt wurden. Jetzt ist der französische Umweltminister zurückgetreten. Er hat seinen Rücktritt live im Radio bekanntgegeben und damit Präsident Macron unter Druck gesetzt. Der Minister kritisierte nämlich ganz offen , dass Lobbyismus rund um den Präsidenten zu einflussreich sei und im Umweltbereich nur kleine Schritte gemacht würden, die nicht ausreichen und in Richtung Macron und Lobbyisten stellte er die Frage: „Wer hat die Macht, wer regiert?“ Der Rücktritt des Umweltministers ist wie eine Ohrfeige für den Präsidenten. Damit wird offensichtlich, dass bei Maßnahmen zum Umweltschutz nichts weitergeht.

Macron wollte sich in der europäischen Asylpolitik als flüchtlingsfreundlicher Staatsmann präsentieren, aber auch das ging schief. Als vor etwa 2 Monaten innerhalb der EU über die etwa 600 illegalen Flüchtlinge bzw. Migranten an Bord der „Aquarius“ gestritten wurde und die Italiener die Häfen für dieses Schiff sperrten, nannte Macron das „zynisch und verantwortungslos“. Einen französischen Hafen durfte das Schiff aber nicht anlaufen. Er erklärte sich allerdings dazu bereit, einige Flüchtlinge aufzunehmen. Aber nur, wenn die Voraussetzungen für Asylgewährung erfüllt werden. Und jetzt hat der italienische Innenminister Salvini dem französischen Präsidenten eine übergebraten. Macron hatte ja den ungarischen Premier Orban und Salvini wegen deren Asylpolitik als „Nationalisten, die Hass verbreiten würden“, bezeichnet. Salvinis Reaktion war: „Macron, der den Gutmenschen spielt, hat im vergangenen Jahr an der Grenze zu Italien 48.000 Menschen abgeschoben“. Er bezeichnete Macron als „Heuchler und Schwätzer“, der sich nur „aus wirtschaftlichem Interesse bewege“. Harte Schläge für den Präsidenten. Und als ob das noch nicht genug wäre, kommen jetzt auch noch schlechte Nachrichten von der französischen Wirtschaft; die Anzeichen für einen Abschwung mehren sich. Das BIP bewegt sich kaum von der Stelle, stieg im 2. Quartal nur um 0,2 Prozent, der private Konsum schrumpfte, die Exporte legen langsamer zu als die Importe. Auch das Haushaltsdefizit wird heuer nicht gesenkt werden können. Dabei betragen die Staatsschulden schon 2,3 Billionen Euro. Da gibt es wirklich nichts mehr zu lachen.

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