In Österreich gibt es angeblich bzw. laut Wirtschaftskammer einen massiven Arbeitskräftemangel; bundesweit sollen 162.000 Fachkräfte fehlen, heißt es und dieser Mangel soll der Wirtschaft arg zusetzen. In Deutschland, so ist zu lesen, gibt es das gleiche Problem und zufällig oder auch nicht soll dieses Problem im Verhältnis zu Österreich gleich groß sein. Allgemein gilt ja zwischen Österreich und Deutschland ein „Umrechnungsfaktor“ von 1:10, was ja z. B. bei der Bevölkerungszahl ziemlich treffend ist. In Deutschland, so heißt es nach Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer, gebe es inzwischen 1,6 Millionen Stellen, die mangels geeigneter Bewerber nicht besetzt werden könnten. Das ist also fast genau der 10-fache Wert der fehlenden Facharbeiter in Österreich. Haben sich da die WKO und die DIHK etwa abgesprochen? Einen Unterschied gibt es allerdings: In Österreich ist laut WKO der Fachkräftemangel schon für 87 Prozent der Betriebe spürbar. In Deutschland klagt nur fast jeder zweite Betrieb darüber, dass offene Stellen längerfristig nicht besetzt werden können und sich das auf die Wachstumsperspektiven negativ auswirken könne. In Deutschland halten aber, im Gegensatz zu Österreich, viele Experten die Warnungen für übertrieben – „und einen flächendeckenden, branchenübergreifenden Fachkräftemangel für ein Märchen“. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut kommt in einer Analyse zum Ergebnis, „dass die Zahlen der DIHK überhöht und wenig aussagekräftig sind“.

Arbeitsmarktexperten in Deutschland meinen, dass das Problem nicht die fehlenden Fachkräfte seien, sondern die Unternehmen, die nicht bereit seien, angemessene Löhne zu zahlen. Sie meinen auch, das von der Regierung geplante Zuwanderungsgesetz mit dem Ziel, möglichst viele potentielle Arbeitskräfte zu gewinnen, sei nicht nur nicht nötig, sondern im Gegenteil schädlich. Von den Problemen mit Personal seien nämlich hauptsächlich die Branchen im Niedriglohnsektor betroffen, in denen die Anforderungen an die Qualifikation niedrig seien und die Bezahlung noch niedriger. Ein Experte meint: „Wenn wir tatsächlich nennenswerten Fachkräftemangel hätten, könnte man das am ehesten an steigenden Löhnen sehen, weil sich die Betriebe dann anstrengen müssten, die guten Leute zu bekommen“.

In einigen EU- Staaten, wie z. B. Griechenland oder Spanien oder Portugal, ist die Arbeitslosigkeit unter angeblich gut ausgebildeten Jugendlichen sehr hoch. Warum wird nicht versucht, in Österreich wie in Deutschland, diese Leute anzuwerben? Dieses brach liegende Potential muss man doch zum beiderseitigen Vorteil ausschöpfen. Das wäre auch gelebte Solidarität auf EU- Ebene. Und zu Deutschland: Schon die Großväter dieser arbeitslosen jungen Leute wurden als Gastarbeiter ins Land geholt und es gab keine Probleme und beide Seiten waren zufrieden. Man möchte meinen, diese jungen Leute zu holen, wäre das Naheliegendste. Oder sollte doch was dran sein an dem Verdacht, dass die Wirtschaft daran interessiert sei, günstiges Personal in Form von Flüchtlingen/Migranten zu bekommen? Bezüglich Arbeitskräftemangel gibt es jedenfalls Parallelen zwischen der österreichischen und der deutschen Wirtschaft. Ob zufällig oder nicht.

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