Kanzler Kurz war auf Kurzbesuch in der Ukraine. Als „Eisbrecher“, wie man lesen kann. Wenn man es deutlich benennen will, war dieser Besuch eine Peinlichkeit; Kurz reiste nach Kiew, um Abbitte zu leisten für die „Unverschämtheit“ von Außenministerin Kneissl, zu ihrer Hochzeit den russischen Präsidenten Putin einzuladen. Kurz sollte oder wollte also die Wogen glätten. Denn diese Einladung sorgte, wie es hieß, für Entsetzen in der Ukraine und der ukrainische Außenminister sagte dazu auch: „Die Optik hier in der Ukraine war wirklich katastrophal“. Aber er ist gnädig, hat Vertrauen zu Kurz und erklärt kurz und bündig: „Er ist ein Freund der Ukraine und ein geschickter Diplomat“. Der ukrainische Präsident Poroschenko, der „Schokoladenkönig“ und Waffenproduzent, empfing Kanzler Kurz verdächtig freundlich, nannte ihn mehrmals einen persönlichen Freund. Dabei sollte man sich um solche Freunde nicht unbedingt reißen; in seinem Schatten sind immer wieder Korruptionsvorwürfe zu hören und die Voraussetzungen für seine Wahl zum Präsidenten waren für ihn maßgeschneidert. Die Wahlbeteiligung z. B. war irrelevant. Und die vor ein paar Tagen erfolgte Exekutierung per „Terroranschlag“ des Führers der nicht anerkannten „Volksrepublik Donezk“ in der Ostukraine passierte sicher nicht ohne Wissen des ukrainischen Präsidenten Poroschenko. Kurz traf sich auch mit dem Bürgermeister von Kiew und spazierte mit ihm über den Maidan, wo der Putsch gegen den rechtmäßigen Präsidenten Viktor Janukowitsch begann. Der Oligarch Poroschenko, der heutige Präsident, investierte nach Medienberichten viel Geld in den Putsch und arbeitete dabei eng mit dem US- Außenministerium zusammen. Auch der heutige Bürgermeister von Kiew, der Ex- Boxweltmeister und Nicht- Politiker Klitschko, war während der Maidan- Unruhen laufend mit Politikern der USA und der EU, die die Unruhen und den Putsch forcierten, zu sehen. In seinem Umfeld waren damals aber auch ukrainische Faschisten und Neonazis, die nach dem Putsch auch in der Regierung oder in der Armee waren.

Die Ukraine wurde durch den blutigen „regime change“ dem Einfluss Russlands entrissen. Es kam zum Bürgerkrieg, der heute noch andauert, aber die EU bekam das gewünschte Assoziierungsabkommen mit der Ukraine und USA und NATO haben heute mehr als nur einen Fuß in der ukrainischen Tür. Dass das Land eigentlich pleite ist und der EU ganz gewaltig auf der Tasche liegt, sollen wir in der EU nicht so eng sehen. Das muss es uns doch wert sein, dass es sich von Russland abwendete. Und die auffällige Freundlichkeit unserem Kanzler gegenüber, gepaart mit dem Hinweis auf das Entsetzen über die Einladung Putins, lässt einen Verdacht aufkommen. Den Verdacht nämlich, dass die EU wieder einmal Geld in die Hand nehmen soll und deswegen Kanzler Kurz als EU- Ratspräsident bei seinem Entschuldigungsbesuch heiß- kalt von den Ukrainern kriegt.

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