Es ist noch gar nicht lange her, da berichteten einige Medien über eine österreichische Pädagogin in Berlin. Sie war dort Schulleiterin an einer Problemschule. Bis es ihr zu viel wurde, bis sie kündigte. Sie hielt es nicht mehr aus – und ging an die Öffentlichkeit. Sie erzählte von den unglaublichen Vorkommnissen an dieser Schule; von Gewaltdelikten in der Schule. Davon, dass Jugendliche im Schulhof Drogen spritzen. Von in der Schule Gewalt ausübenden Vätern von Schülern und davon, dass sie einen Sicherheitsdienst engagierte, weil es ohne einen solchen ganz einfach nicht mehr ging. Und sie erzählte auch, dass sie Vorgesetzte und die Politik längst informiert hatte. Dass da nichts unternommen wurde, weil das politisch äußerst unkorrekt gewesen wäre. Politische Korrektheit steht ja mittlerweile über der Vernunft.

Mit gemischten Gefühlen oder auch mit leichtem Schaudern las man diese Schilderung über eine bunte multikulturelle Schule und war vielleicht froh, dass das in Berlin passierte und Berlin doch ziemlich weit weg sei. Dabei konnte man sich aber dunkel daran erinnern, dass in Wien vom Religionswissenschaftler Ednan Aslan die sogenannte Kindergarten- Studie erstellt wurde. Dazu wurden 960 islamische Betreuungseinrichtungen in Wien untersucht und das Ergebnis war erschreckend. Es war kaum zu glauben, dass da Einrichtungen in Wien beschrieben wurden. Auch die Wiener Behörden wussten Bescheid und auch die Politiker und dass die aufgezeigten Missstände toleriert wurden, war auch in Wien der politischen Korrektheit geschuldet. Und schon im vergangenen März ging eine Wiener Lehrerin mit ihren Problemen in der Schule an die Öffentlichkeit. Sie war bzw. ist aber nicht nur Lehrerin, sondern auch Personalvertreterin und deswegen weiß sie auch Bescheid über die Probleme an anderen Schulen. „Viele Schulen geraten zunehmend außer Kontrolle“, sagte sie damals im Interview mit einer Rechercheplattform. Sie sprach aber auch davon, dass die Probleme an Schulen in Favoriten, in ihrem Schulbezirk, „kaum noch zu lösen seien“ und dass viele Lehrer sich von den Schulbehörden im Stich gelassen fühlen. Sie sprach auch von „wachsender Bildungsfeindlichkeit“ bei muslimischen Eltern und dass „Abstammung und Religion bei Kindern leider viel zu wichtig“ sei. Ein Schuldirektor unterstützt die Lehrerin. Auch er äußerte sich zu gefährlichen Entwicklungen, bemerkte schon vor ein paar Jahren ein zunehmendes „konservatives, fast rassistisches Islamverständnis“ in den Schulen. Die Reaktion der Politik und der Schulbehörden war gleich null. Da sah man plötzlich, dass Berlin gar nicht so weit weg ist von Wien.

Jetzt ist die erwähnte Lehrerin aus Favoriten wieder in den Medien; sie präsentiert ihr Buch über den „Kulturkampf im Klassenzimmer“. Der Unterrichtsminister sagt dazu im Fernsehen: „Diversität ist manchmal auch Konflikt“. Mit dieser wohlklingenden und nichtssagenden Formulierung ist aber kein Blumentopf zu gewinnen und erst recht nicht der Kulturkampf im Klassenzimmer. Das muss ihm schon klar sein. Die Lehrerin ist jedenfalls neugierig, wie der Stadtschulrat, ihre ehemaligen Gewerkschaftskollegen und ihre Kollegen und Kolleginnen an der Schule reagieren werden. Der Kanzler und einige Regierungsmitglieder, darunter der Unterrichtsminister, waren jetzt auf einer „Lernreise“ in Singapur und Hongkong. Sie wollten vor Ort erfahren, was dort an den Schulen anders läuft als bei uns, worauf die Erfolge der dortigen Schüler aufgebaut sind. Es ist recht und schön, wenn man die Besten als Maßstab nehmen will. Viel dringlicher aber wäre es, die schon lange bekannten, aber nicht einmal ansatzweise gelösten und immer grösser gewordenen Probleme an den hiesigen Schulen zu lösen. Da hilft aber, so wie es ausschaut, nur mehr eine Radikalkur. Diese bekannten Probleme bestreiten oder schön- und kleinreden ist grob fahrlässig gegenüber den Schülern und der Gesellschaft. Diese Probleme gehören gelöst, solange sie noch zu lösen sind. Da ist die Politik gefordert und nicht Lehrer oder Schulleiter.

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