Die deutsche Kanzlerin Merkel hat wieder einmal starkem Gegenwind zu trotzen. Da sind einmal die Demonstrationen in Chemnitz und Köthen. Diese Städte kommen ja seit den Tötungsdelikten mit Asylwerbern als Täter nicht zur Ruhe. Wobei man der Korrektheit halber dazu sagen muss, dass in Köthen der junge Mann zumindest offiziell an Herzversagen starb und nicht an den Verletzungen, die ihm bei der Auseinandersetzung zugefügt wurden. Über Chemnitz sprach Merkel ja von „Hetzjagden“ und „Zusammenrottungen“. Dem widersprachen jedoch einige Politiker und auch der Präsident des Verfassungsschutzes, Herr Maaßen. Somit hätte Merkel also gelogen. Dann sind die Streitereien mit dem Bundesinnenminister Seehofer wieder intensiviert worden und laut Umfragen sind die Unionsparteien CDU und CSU auf einem Tiefstwert, genau so wie die SPD als Koalitionspartner. Die verhasste AfD hingegen wird stärker. Die Regierungsparteien hätten im Moment keine Mehrheit. Und als wenn all das zusammen noch zu wenig wäre; die Kanzlerin hat allem Anschein nach eine ihrer vermutlich wenigen Freundinnen verloren. Eine, die auch noch sehr einflussreich ist. Es ist dies Frau Springer vom gleichnamigen Verlagsimperium. Und der Herausgeber des wichtigsten Blattes, der „Welt“, braucht jetzt keine Rücksicht mehr auf die Kanzlerin nehmen, fährt in einem Artikel mit schwerem Geschütz auf. Er bringt darin das zum Ausdruck, was sich Seehofer und Maaßen öffentlich wohl nicht zu sagen trauten, nennt Merkel z. B. „Mutti aller Probleme“. Der Artikel, der eine Brandrede gegen Merkel ist, beginnt mit: „Hell und dunkel, wichtig und unwichtig, verhältnismäßig oder unverhältnismäßig, Ursache und Wirkung – die simpelsten Kriterien mittlerer Intelligenz und Beurteilungsfähigkeit scheinen hierzulande unter die Räder gekommen zu sein…“ Und endet mit dem Satz: „Die Dinge von Ende her zu denken gehört ja bekanntlich zu den großen Stärken der Physikerin im Kanzleramt. Es drängt sich der Verdacht auf, als sei in diesem Land der kollektive, parteiübergreifende, galoppierende Rinderwahn ausgebrochen“ Harte Worte sind das schon.

Im Artikel geht es sehr viel um die Grenzöffnung von 2015 und generell um die Zuwanderung und den Umgang mit Migranten. Und Kritik an der Migrationspolitik der Kanzlerin ist ganz und gar nicht erwünscht. Deswegen wird der Rücktritt von Maaßen gefordert und auch der von Seehofer. Der Fehler, den Maaßen gemacht hat: Er hat öffentlich bestätigt, was niemand gesehen hat. Er hat bestätigt, dass es in Chemnitz keine Hetzjagden auf Ausländer gab und dass ein Video mit einigen Sekunden Dauer nicht aussagekräftig ist. Da Merkel das Gegenteil behauptete, soll er den Hut nehmen. Und Seehofer führt seit langer Zeit einen Kleinkrieg gegen Merkel, stellte sie schon des Öfteren bloß. Und wenn er von der von Merkel verursachten Flüchtlingskrise als „Mutter aller Probleme“ spricht, dann hat er recht. Im Artikel heißt es auch: „Für jeden, der sich seinen Blick nicht von der tränenverschwommenen Rührung über die eigene humanitäre Großartigkeit verschleiern ließ, war spätestens im Sommer 2015 klar, was auf das Land zurollte“. Und: „Wir wollen nicht rechthaberisch sein, uns aber auch nicht für dumm verkaufen lassen. Die Wurzeln der gegenwärtigen Misere lagen schon im Sommer 2015 blankgespült für jeden sichtbar offen da“.

Wenn das aus einem Verlag einer (ehemaligen) Freundin kommt, muss das bitter sein. Es liest sich ganz genau so, als wäre Merkel fallen gelassen worden.

Hier geht es zu Original- Artikel von der „Welt“, aber der kostet Geld.

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