Ist vom Brexit die Rede, stößt man auf die abenteuerlichsten Geschichten, wenn man sich durch die verschiedensten Medienberichte durcharbeitet. Da kann man erfahren, dass sich die EU ja verzweifelt bemüht, die Verhandlungen mit den Briten voranzutreiben, um einen geregelten Austritt der Briten aus der „Wertegemeinschaft“ und dem „Friedensprojekt“ EU zu ermöglichen. Andere Medien berichten vom Gegenteil. Sie behaupten, die EU habe gar kein Interesse an einem geregelten Austritt. Die EU wolle an Großbritannien ein Exempel statuieren, um anderen EU- Mitgliedern ein für allemal nicht nur die Lust an einem EU- Austritt zu nehmen, sondern ihnen sogar das daran denken auszutreiben. Auch bei den Briten gibt es laut Medien keine einheitliche Linie bezüglich EU- Austritt; weder in der Regierung noch im Parlament und auch nicht in der Bevölkerung. Einzig das Königshaus schweigt zu dem Thema. Einmal heißt es, die britische Premierministerin liebäugelt mit einem „harten“ Brexit. Ein anderes Mal heißt es, sie möchte Punkt für Punkt verhandeln. Von EU- Seite wie auch von britischer Seite heißt es dann auch wieder, eigentlich möchte gar keine Seite einen Austritt. Dem steht die Äußerung der Premierministerin in einem Interview entgegen; sie sagte, Großbritannien werde eher Fußball- Weltmeister, als dass das Land wieder in die EU zurückkehre. Und außerdem sagte sie erst kürzlich über die Brexit- Verhandlungen: „My deal or no deal“. In der EU wie auch in Großbritannien wird auch eine neuerliche Volksabstimmung ins Spiel gebracht in der Hoffnung, dass dann die Mehrheit für einen weiteren Verbleib in der EU stimmt. Das Abstimmungsergebnis soll also passend gemacht werden. Es wäre in diesem „Werteverein“ auch nicht das erste Mal, dass eine Abstimmung wiederholt wird. Für die britische Premierministerin May, so scheint es zumindest, ist das Ergebnis des Referendums bindend und somit ist die EU- Mitgliedschaft der Briten ab Ende März 2019 Vergangenheit. Doppeltes Pech für die Brüsseler Clique: Zum einen ist ein Mitglied weg. Die anderen sehen, ein Austritt ist möglich. Zum anderen fehlen in Brüssel die Milliarden der Briten. Die sind zwar immer noch Nutznießer des „Briten- Rabatts“, den die damalige Premierministerin Thatcher, die „Eiserne Lady“, mit den EU- Führern aushandelte. Und von dem, was sie heute bezahlen, fließen ja einige Milliarden in Form von Förderungen wieder zurück. Aber ein paar Milliarden fehlen trotzdem in der Kasse und deswegen sollen die anderen Staaten mehr bezahlen. Einsparen kommt ja nicht in Frage.

Ob Großbritannien die EU wirklich verlässt, werden wir wohl erst Ende März wissen. Und nachdem Brüssel nicht besonders viel von Demokratie hält, läuft es beim Brexit wie im Lotto: „Alles ist möglich“. Jaques Attali, Berater eines französischen Präsidenten, sagte einst: „… zur ersten Version des Maastricht- Vertrages: Wir haben einen Artikel, der (einem Mitgliedstaat) den Austritt erlaubt, absichtlich „vergessen“. Das war nicht sehr demokratisch. Doch es war eine große Garantie dafür, die Dinge schwieriger zu machen“.

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